Wie ein Giftsatz klingt? Zum Beispiel so: „Wieso können wir kein normales Kind haben?“ Im Fall von Ware, der ihn seine Mutter sagen hört, vergiften die Worte sogar seine Sehnsüchte: „Wo immer er hinschaute, starrten seine Tagträume zurück, und er sah, wie lächerlich sie waren.“ Dabei sind er und Jolene zu diesem Zeitpunkt schon emsig dabei, Luftschlösser in Burgen und Paradiese in Gärten zu verwandeln. Eine Kirchenruine und das umliegende Gelände wird zu ihrem Reich – bis eine Zwangsversteigerung alles zu zerstören droht. Hilfe naht in Gestalt von Wares Onkel Cy, der den Künstler in dem verschlossenen Jungen erkennt und ihm eine Kamera schenkt. Und in Jolene selbst, die mit ihren Händen nicht nur Papaya-Bäume in Konservenbüchsen hochziehen kann, sondern auch einen Parkplatz in einen See verwandeln.

Diese Hände, von Ware immer wieder gefilmt, werden zum Symbol des Buches, indem sie in Abwandlung des Untertitels zeigen: Auch Träumer können die Welt verändern. Sara Pennypackers „Hier im echten Leben“ feiert die Macht der Fantasie und der Freundschaft – eine kraftvolle Botschaft für Menschen jeden Alters. Wie Wares Eltern begreift am Ende auch der letzte erwachsene Mitleser, dass Außenseiter das Streben nach einer gleichmacherischen Mitte aufs Schönste infrage stellen. Nebenbei erzählt Pennypacker eine Geschichte der Gentrifizierung, nüchtern und mit Sinn für die Komplexität des Themas. Die Welt der beiden Kinder muss einer Shoppingmall weichen. Doch ihrer eigenen kann das nichts anhaben. Sie tragen sie in sich.

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