Berlin - Für die Erschließung von James Baldwins Sprachgefühl hat dessen deutsche Übersetzerin Miriam Mandelkow eine besondere Technik entwickelt. Um sich in die Musikalität seiner Prosa einzufinden, hat sie unlängst auf Deutschlandfunk Kultur gesagt, sei ihre Art zu übersetzen eine sehr körperliche: „Man bewegt sich mit, man spielt, was man da liest, man tanzt es, um die Sprache körperlich zu spüren und dann auch ein Gespür dafür zu haben, ob sich ähnliche Körperempfindungen auch im Deutschen einstellen.“ Er schreibe, hat Baldwin gesagt, um herauszufinden, was er nicht weiß. Und er schreibe, um herauszufinden, was er nicht wissen wolle.

Für ihre Baldwin-Übersetzungen ins Deutsche wurde Mandelkow 2020 mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis ausgezeichnet. Schwierig sei der Umgang mit rassistischen oder vermeintlich rassistischen Ausdrucksweisen. Wenn „Negro“ bei Baldwin als Selbstbezeichnung auftauche, übersetze sie es mit „Schwarzer“. „Wenn er einem Rassisten das englische N-Wort in den Mund legt, übernehme ich den rassistischen Begriff allerdings, denn diese Figur wird ja schließlich durch die Sprache charakterisiert, und die wollen wir ja nicht schützen.“ Übersetzerinnen und Übersetzer, so Mandelkow, müssen letztlich von Buch zu Buch, von Seite zu Seite und von Satz zu Satz entscheiden, welche Wortwahl der Kontext verlangt, nicht die Political Correctness.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.