Berlin - Alle ruhigen Flüge sind einander ähnlich. Jeder turbulente Flug ist es auf seine Weise. Das schreibt Hervé Le Tellier unter dem Datum 10. März 2021 in seinem neuen Roman. Tolstoi lässt grüßen in diesem Zitat, und es ist nicht der einzige berühmte Schriftsteller, der sich in dem Buch leicht verfremdet wiederfindet. Le Tellier widerlegt die Eingangsthese 61 Seiten und 106 Tage später, denn dann gerät dieselbe Boeing 787 auf dem Weg von Paris nach New York noch einmal in Turbulenzen. Mit denselben Leuten an Bord! Ab der Landung gibt es die Menschen doppelt. Das kann nicht normal sein. Nein, es ist „Die Anomalie“, wie der Roman heißt, im November mit Frankreichs wichtigstem Literaturpreis ausgezeichnet, dem Prix Goncourt, seither dort ein Bestseller. Und auch, wer das Buch schon auf Deutsch gelesen hat, wird nicht müde davon zu sprechen (Rowohlt, 346 Seiten, 22 Euro).

Am Dienstagabend war Hervé Le Tellier mit seinen beiden Übersetzern zu Gast im Literarischen Colloquium Berlin (LCB), von dort lang geplant, vom Internationalen Literaturfestival (ilb) freudig mit ins Programm genommen, sehr gut besucht. Mit Romy und Jürgen Ritte sprachen zwei absolute Kenner des Buches mit dem Autor, sie haben ja jeden Satz mehrfach hin- und hergewendet. Sie fragten in einer Weise zu Details, die den Noch-nicht- und den Schon-längst-Lesern des Buches nutzten. Der Autor bringt das Kunststück fertig, mit Formstrenge und genauem Plan überraschend und unterhaltsam zu schreiben.

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