Die Mutter lässt die Milch anbrennen und nennt sich eine schusselige Krähe. Da kommt der Vater des Wegs und meint, da sei doch der Herd schuld. „So, schon zwei schusselige Krähen“, erklärt die Mutter dazu, „zwei sind noch besser als eine.“ Die Erzählerin, ein kleines Mädchen, benutzt diese Episode, wenn sie schreibt: „Meine Mama ist gerecht.“ So steht das in einem Kinderbuch, erdacht von Halyna Kyrpa, auf Ukrainisch. Das Buch „Najmoisha Mama“ (Ganz allein meine Mama) ist jetzt in deutschen Buchhandlungen zu bekommen. Es ist das Ergebnis einer Adoption.

Vor allem Frauen und Kinder sind noch immer auf der Flucht vor dem Krieg gegen die Ukraine. Und während für die Erwachsenen die Situation schon schwer zu verstehen ist, bleibt sie für Kinder völlig unbegreifbar. Doch manchmal bergen Bücher ein Stück Heimat oder helfen Geschichten, die Gedanken auf Reisen zu schicken.

Verwaister Stand auf der Buchmesse

Als Markus Weber, Leiter des Moritz-Verlages aus Frankfurt am Main, auf der Kinderbuchmesse in Bologna den verwaisten ukrainischen Stand sah, kam ihm die Idee, seine Kollegen zur Adoption ukrainischer Kinderliteratur anzustiften. Die Verlegerinnen des „Najmoisha Mama“-Buches mussten aus Charkiw fliehen, sie bekommen nun den Gewinn aus dem Verkauf in Deutschland. Ein französischer Verlag macht bereits mit, das von ihm übernommene ukrainische Bilderbuch wird auch von Moritz vertrieben.

Auch gute Ideen sind ansteckend. Wenn man einmal ein Beispiel gefunden hat, tauchen schnell weitere auf. „Die Kuh Lieselotte“ kann trotz Gutenachtgeschichte der Bäuerin nicht einschlafen. Von ihren Versuchen lässt der Verlag S. Fischer nun auch auf Ukrainisch erzählen. Und der Hase Karlchen, vor zwanzig Jahren von der Zeichnerin Rotraut Susanne Berner zum (Bilderbuch-)Leben erweckt, hüpft jetzt durch eine übersetzte Ausgabe. Der Hanser-Verlag verschenkt 5000 Exemplare, bestellbar über den Buchhandel.

„Von Hasen und anderen Europäern“ erzählt schon ein Geschichtenband der in Wien lebenden Ukrainerin Tanja Maljartschuk. Erschienen ist er in der Edition Fototapeta, einem Verlag, der etliche Sach- und erzählende Bücher im Programm hat, die helfen könnten, das überfallene Land zu verstehen. Deren Verleger Andreas Rostek hat kurz nach Kriegsbeginn mit der Kurt-Wolff-Stiftung die Aktion „10.000 ukrainische Bücher für geflüchtete Kinder“ angestoßen. Inzwischen sind die ersten 3800 Bücher gekauft.