So etwas haben wir noch nicht gelesen. Wäre der 1994 in Guinea geborene Ibrahima Balde nicht Ende 2018 in der baskischen Stadt Irun dem Musiker Amets Arzallus begegnet, würde seine Geschichte wie die von Hunderttausenden Flüchtlingen unerzählt geblieben sein. Er ist Analphabet, hat in der kurzen Schulzeit nicht viel mehr gelernt, als Französisch zu sprechen. So aber haben wir es mit einer Erzählung zu tun, die nicht nur authentisch ist und allein durch das Faktische einen beim Lesen immer wieder an den Rand der Verzweiflung bringt, sie erweitert durch Rhythmus und Sprachbilder die Wahrnehmung immens. „Dieses Buch ist“, so steht es am Anfang geschrieben, „mit Ibrahima Baldes Stimme und von Amets Arzallus‘ Hand verfasst“.

Es ist ein Zeitzeugenbericht aus der Hölle. Schon in den ersten vier Monaten 2021 haben laut UN-Flüchtlingshilfe mehr als 600 Menschen die Fahrt übers Mittelmeer nicht überlebt oder werden vermisst. Dass die Zahl steigt, haben die Nachrichten der vergangenen Tage gezeigt. In den Jahren zuvor waren es immer über tausend Tote. Sachbücher zu Flucht und Vertreibung gibt es, auch Romane, die Flüchtlingsschicksale aufgreifen, etwa Francesca Melandris „Alle, außer mir“. Hier aber erzählt ein junger Mann von den Menschen, die in seinem Kopf geblieben sind, seit er seinen Geburtsort verließ, von seiner Sorge, die kein Ende nimmt. „Das Durcheinander aus Träumen und Schuldgefühlen.“

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