Den epischen Großakt zu wagen, hat sich Mirko Bonné mit seinem neuen, 450 Seiten starken Roman „Seeland Schneeland“ vorgenommen. Ganz in der Tradition der kanonischen Erzähler wie Thomas Mann oder Marcell Proust ist der Autor bestrebt, eine ganze Epoche zu vermessen, nämlich die Zwischenkriegszeit. Wir schreiben das Jahr 1921, in dem die Waliserin Ennid Murdooch nach Amerika aufbricht. Von unerfüllter Liebessehnsucht getrieben, hält es ihren Freund seit Jugendtagen, Merce Blackboro, nicht länger in seinem Kontorbüro aus, und er beschließt, ihr nachzureisen. Und wie es sich für eine klassische Lovestory gehört, gibt es natürlich Turbulenzen, denn das Schiff, auf dem sich die Ausziehende befindet, havariert.

Die Tour d’horizon wird, so viel sei gesagt, allerdings ein gutes Ende finden – ganz im Gegensatz zu jenem Buch, in dessen Traditionslinie sich Bonnés Text mit mehreren Zitaten einzuordnen versucht: Tolstois „Anna Karenina“. Um sich die Zeit in der Massenunterkunft unter Deck zu vertreiben, greift Ennid immer wieder zu dem Klassiker. Ähnlich der titelgebenden Hauptfigur ist auch sie eine Frau der Emanzipation, nur steht ihr eben möglicherweise ein glücklicheres Schicksal bevor.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.