Was tut man als Künstler, wenn man nach jahrzehntelanger Arbeit auf ein Motiv reduziert wird? Man könnte sich ergeben und froh sein über den Ruhm. Man könnte versuchen, mit einem anderen Thema noch einmal groß rauszukommen. Der Autor und Zeichner Janosch aber hat seine eigene Figur gekapert und in ein neues Umfeld getan. Die von ihm erfundene Tigerente, eine gelb-schwarz-gestreifte Ziehfigur, mag zwar weiter auf Babylätzchen, Kinderschlafanzügen, Schulbrotdosen abgebildet sein, sie hat sich zugleich in einen rundlichen älteren Herrn mit Schnurrbart verwandelt. Wondrak heißt der. Als Janosch im Jahr 2013 anfing, allwöchentlich für das Zeit Magazin einen Cartoon zu zeichnen, der auf Alltags- und Sinnfragen reagiert, hatte er den Fluch der Niedlichkeit besiegt.

Denn Wondrak passt nicht für die Zielgruppe, mit der man Janosch sonst verbindet. Er ist ein Erwachsenen-Held. Damit sei grundsätzlich nichts gegen das 1978 erschienene Buch „Oh, wie schön ist Panama“ gesagt, mit dem die Tigerente samt Tiger und Bär einst in die Welt kam. Es ist ein Buch von der Sehnsucht nach Abenteuer und Geborgenheit, von Mut und Angst, das kleine Kinder erfreut und Eltern beim Wiederlesen beglückt. Auch die Folgebücher begeistern mit überraschender Handlung, Freundschaftsrezepten und verrückten Figuren. Bloß hat sich deren Eigenleben immer weiter von ihrem Schöpfer entfernt. Und wenn man sieht, was für Krimskrams in einem Onlineshop unter der Überschrift „Mein Janosch“ angeboten wird, dann mutet es seltsam an, dass ebendieser Janosch keine Kunstfigur ist, sondern ein alter Herr.

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