Josef Haslinger ist die Wiederholung nicht fremd. Auf der turbulenten Tagung der deutschen Sektion der Schriftstellervereinigung PEN in Gotha wurde er am Sonnabend in das Amt des Präsidenten gewählt, das er schon einmal innehatte. Von 2013 bis 2017 war das. Diesmal füllt er kurzfristig eine Lücke aus, interimsmäßig. Nach der gescheiterten Abwahl und dem bewussten Abgang Deniz Yücels musste jemand an die Spitze kommen, damit der PEN formal weiterexistieren und sich neu organisieren kann.

Die Wiederholung auf einem Leitungsposten kennt Haslinger vom Deutschen Literaturinstitut Leipzig, wo er 25 Jahre lang Literarische Ästhetik lehrte. Mit drei anderen Autoren, die wie er als Professoren angestellt waren, rotierte er in der Funktion des Direktors. Dieser Lebensabschnitt des 1955 im niederösterreichischen Waldviertel Geborenen endete 2021. Derzeit bereitet er seinen Umzug aus Leipzig nach Wien vor. Vor seiner Wahl sagte er am Rande der PEN-Tagung, er freue sich, wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

Seit den 1980er-Jahren veröffentlicht er, einem großen Lesepublikum bekannt geworden ist er 1995 durch den Roman „Opernball“. Mit Elementen des Politthrillers erzählt er von einer vom Terrorismus aufgestörten Gesellschaft und der Rolle der Medien als Aufklärer oder Voyeure.

Es folgten Erzählbände, ein Roman, der die Verstrickungen von Sport und Politik zum Thema hatte, „Jáchymov“, und zwei Bücher aus dem persönlichen Erleben. In „Phi Phi Island“ ging es um den katastrophalen Tsunami 2004 in Thailand. In „Mein Fall“, 2020 erschienen, schreibt er davon, wie er als junger Sängerknabe von katholischen Pädagogen sexuell missbraucht worden ist – und wie schwer es für ihn damals und sein Erwachsenenleben hindurch war, darüber zu sprechen.

Mit Konflikten ganz anderer Art, aber durchaus auch seelischen Verletzungen ist Josef Haslinger als Übergangspräsident des deutschen PEN-Zentrums konfrontiert. „Ich nenne das ausdrücklich Neustart, was es gilt vorzubereiten“, sagte er in Gotha.