Samuel Pozzi (1846-1918) war als Gynäkologe und Chirurg ein Arzt der Prominenten, Adeligen, Intellektuellen, der Reichen und Schönen, ein bekannter „Modearzt“ nicht nur in Paris. Doch der charmante, nach Meinung der Prinzessin von Monaco „ekelhaft gut“ aussehende Dr. Pozzi war bei weitem nicht nur das. Er schrieb ein 1100 Seiten starkes, erstaunlich fortschrittliches Standardwerk über Gynäkologie. Er arbeitete außerdem 35 Jahre lang im öffentlichen Pariser Krankenhaus Lourcine-Pascal (ab 1893 hieß es Broca), behandelte dort und zudem privat auch die keineswegs Wohlhabenden, vereinbarte mit ihnen Ratenzahlungen.

Dies auch 1915 bei einem gewissen Maurice Machu, Steuerbeamter, der sich wegen Krampfadern am Skrotum operieren lässt. Machu zeigt sich zunächst recht zufrieden mit dem Ergebnis, vieles ist besser geworden, schreibt er dem Doktor, er schickt ihm auch einen Teilbetrag des Honorars. Am 13. Juni 1918 arbeitet Pozzi zuerst im Militärkrankenhaus in der Rue Ulm. Abends warten zwei Patienten in seiner Praxis, einer davon ist Machu. Drei Kugeln treffen Pozzi, dann tötet sich Maurice Machu selbst. Der Arzt ist noch bei Bewusstsein und berät seinen Chirurgen Dr. Martel. Doch bei der Operation stirbt er. Paris verabschiedet Dr. Pozzi mit einem großen Trauerzug, auf einer Fotografie sieht man das Pferdegespann mit seinem Sarg und mit militärischer Begleitung vor dem Arc de Triomphe.

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