Neben der Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling und dem Thriller-Spezialisten Tom Clancy gehört John Grisham zum illustren Trio jener Autoren, deren Debütromane sich schon mehr als eine Million Mal verkauften. Und bald erreichen seine Verkaufszahlen die halbe Milliarde. Der neue Roman des 66-jährigen Grisham, „Der Polizist“, ist sein zweiundvierzigster seit „Die Jury“ von 1989, die meisten davon sind 500-, 600-Seiten-Wälzer. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich dabei um Justizthriller, Romane also, in denen Gerichtsverfahren, ihre Fälle, ihr Personal, ihr Verlauf, die zentrale Rolle spielen. Dazu kommen ausladende Nebenhandlungen, ein vielstimmiger Chor mehr oder weniger am Fall Beteiligter und gefährlich köchelnde Konflikte, immer angesiedelt im US-amerikanischen Süden – häufig in der fiktiven Kleinstadt Clanton im Bundesstaat Mississippi – und sanft abgefedert mit einer großen Portion Sozialpathos.

Das klingt nach Formelbuch, Stereotypen und Einfallslosigkeit, und tatsächlich sind Handlungsabläufe, Personal und Örtlichkeiten bekannt aus zahlreichen Courtroom-Dramen Hollywoods vom Wachmacher „Wer die Nachtigall stört“ aus der Frühzeit der Bürgerrechtsbewegung bis zur letztjährigen zehnteiligen TV-Serie „Your Honor“ mit Bryan Cranston als Richter, wo die Ingredienzen des Genres nur noch als Versatzstücke für ein krachendes Spektakel fungieren. Bei Grisham allerdings ist dieses Formelhafte Medium für eine klare Message: Die Werte einer Gesellschaft müssen ständig neu illustriert werden, um nicht den Zentrifugalkräften – Geld, Gier und der Trägheit der Herzen – zum Opfer zu fallen.

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