Die Kurt-Wolff-Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene verleiht seit 21 Jahren einen Preis, der unabhängige Verlegerinnen und Verlegern auszeichnet. Dass die mit 35.000 Euro dotierte Auszeichnung nun Antje Kunstmann zugesprochen wird, ist nur insofern erstaunlich, als man es glatt schon eher vermutet hätte. Andererseits: Übersehen wurde die 72-Jährige bisher nicht. Sie war schon Verlegerin des Jahres, Bücherfrau des Jahres und hat den Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München bekommen, auch wenn die seit 1990 im Verlagshaus mit ihrem Namen erscheinenden Bücher weit über die bayerische Metropole hinaus wirken.

Beim Blick durch das Programm, wie es in den Jahren gewachsen ist, sieht es aus wie von einem großen Unternehmen. Anders als im Leipziger Verlag Poetenladen, der mit 15.000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Förderpreis 2022 erhält, und auf Lyrik und Prosa spezialisiert ist, erscheinen bei Kunstmann neben Romanen (zum Beispiel von Kristof Magnusson und Barbara Gowdy), Gedichten (Arezu Weitholz und Thomas Gsella) oder den Kolumnen von Axel Hacke, auch Bilderbücher etwa von Nadia Budde, sogar Kochbücher und Sachbücher.

Lücken im Markt

Da hat Philipp Lahm einerseits das Geheimnis seines Fußball-Erfolgs erzählt und ein spanischer Autor eine „Stilkritik“ am Ausnahme-Spieler Messi versucht. Anderseits brachte Kunstmann in fünf Bänden die „NSU-Protokolle“ heraus, also die Mitschriften aus dem fünf Jahre währenden Prozess gegen die neonazistische Terrorgruppe. Und der linke griechische Politiker Yanis Varoufakis gehört zu den Stammautoren.

Antje Kunstmann hat das Prinzip, Bücher zu verlegen, die sie selber lesen möchte, über Jahrzehnte beibehalten, dabei trickreich auch Lücken im Markt gefunden. In einem Fernsehporträt sagte sie vergangenes Jahr, man müsse nicht dem Publikumsgeschmack hinterherlaufen, sondern ihn prägen. Geprägt wurde von ihrem Verlegerleben auch ihr Sohn Moritz Kirschner, der schon viele Jahre im Lektorat und für die Auslandslizenzen mitarbeitet in dem Haus, das er eines Tages übernehmen wird.

Die Preisverleihung soll auf der Leipziger Buchmesse stattfinden, im Forum „Die Unabhängigen“. Die Laudatio hält der Berliner Verleger Heinrich von Berenberg, Kurt-Wolff-Preisträger von 2015.