Man darf sich die durchschnittlichen Nazi-Großeltern nicht als Monster vorstellen, nicht als lebende Leichen im Familienkeller, als maskierte Fremdlinge in der westdeutschen Nachkriegswelt. Sie prägten sie vielmehr, gebaren sie, waren sie. Wie viele –um mal nur von der Funktionselite zu sprechen – ehemalige SS-Leute schlüpften durch das lose Netz der Entnazifizierung, tauchten ein paar Jahre unter und saßen dann als Jedermänner wieder mit am Tisch?

Hunderttausende müssen es gewesen sein. Eltern einer neuen Generation, der sie aber meist wenig mitzugeben hatten außer ihrem gekränktem Stolz, dass es nichts geworden ist mit dem begüterten Leben im Osten oder  – in den besseren Fällen – dem gelegentlichen Erschrecken über sich selbst nach dem soundsovielten Bier und Korn in der Nacht. Die einen zogen den Scheitel ihr Leben lang mit dem Lineal und bewahrten die Zyankalikapsel im Nachttisch auf, die anderen häuteten sich so gut sie konnten und versuchten, ihre Schuld mit Selbsthass zu begleichen. Keine Wurzeln und keine Flügel für die folgende Generation, erst die Enkel brachen oft die Starre. 

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.