San Francisco - Seine bevorzugte Tonlage war die große Anrufung. „Poets, come out of your closets“, heißt es in einem seiner bekanntesten Gedichte. „Open your windows, open your doors“. Zu lange schon habe man sich in geschlossenen Welten aufgehalten. Die Aufforderung, ins Freie zu treten, wurde von der Generation der Beatniks, zu deren wichtigsten Vertretern Lawrence Ferlinghetti neben Jack Kerouac, William S. Burroughs und Allen Ginsberg gehörte, ganz wörtlich verstanden. Dichtung als Roadtrip der Selbstfindung, aber auch als Aufrüttelung der amerikanischen Gesellschaft. Die Beatniks waren Ortlose, ihr Unterwegssein war das Ziel. Und wenn sie doch irgendwo sesshaft wurden, dann in der Weite und Freiheit Kaliforniens.

Lawrence Ferlinghetti hatte sich 1950 in San Francisco niedergelassen und dort das Literaturmagazin City Lights sowie den gleichnamigen Buchladen gegründet, der zur Anlaufstelle einer neuen Bewegung wurde, die das Aufbegehren der Bürgerrechtsbewegung ebenso vorwegnahm wie später das Engagement gegen den Vietnamkrieg. Ferlinghetti sah sich dabei nicht nur als Dichter. Einen wichtigen Teil seiner poetischen Inspirationskraft lenkte er um in geschäftliche Aktivitäten. So initiierte er die Buchreihe Pocket Poets Series, die der Popularisierung der Lyrik dienen sollte. Seine literaturgeschichtlich bedeutsamste Tat aber war die Herausgabe von Allen Ginsbergs Langpoem „Howl“, ebenfalls eine große Anrufung, die zum Schlüsseltext einer jungen Generation wurde, kurz bevor Bob Dylan die passenden Akkorde und Songtexte beisteuerte.

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