Berlin - Sie wird in Berlin an einem Mikrofon vor Publikum stehen und doch auch überall in der Welt zu sehen sein: Wenn Leila Slimani das 21. Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) am Mittwochabend mit einer Rede eröffnet, lässt sich die Veranstaltung direkt im Silent Green verfolgen und zugleich als Livestream. Das Kulturquartier im Wedding ist in diesem Jahr der zentrale Ort des ilb, das sich mit seinen Programmpunkten bis zum 18. September über die Stadt verteilt.

Leila Slimani spricht unter anderem darüber, das teilte das Festival vorab mit, was es für sie als Frau bedeutet, in unserer Gegenwart zu schreiben. In ihrem neuen Roman „Das Land der Anderen“ erzählt sie von einer jungen Französin, die mit ihrem Mann nicht lange nach dem Zweiten Weltkrieg nach Marokko geht. Als diese zum ersten Mal den Satz „So ist das hier“ hört, begreift sie, „dass sie eine Fremde war, eine Frau, eine Ehefrau, ein Mensch, der der Gnade der anderen ausgeliefert war“. Der Satz, der das Anderssein festschreibt, wird noch oft fallen.

Slimani ergründet bereits mit ihren Romanen wie „Dann schlaf auch du“, ausgezeichnet mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, und „All das zu verlieren“ die Fragen von Zugehörigkeit und Identität auf vielerlei Weise. Die 1981 in Rabat geborene und in Paris lebende Autorin sucht die unsichtbaren Grenzen zwischen den Menschen zu fassen und zu beschreiben. Aus diesem Interesse führte sie außerdem Gespräche mit Frauen aus der islamischen Welt und führte sie in dem Band „Sex und Lügen“ zusammen.

Als Festivalgast steht Slimani auch live für die Internationalität des Festivals, die sich pandemiebedingt in anderen Fällen nur in Video- oder Online-Fassungen zeigt. Aber was heißt „nur“? Die Veranstalter haben in all den schwierigen Monaten gelernt, wie man mit Gesprächspartnern auf dem Bildschirm eine lebendige Atmosphäre herstellen kann. So werden etwa Ottessa Moshfegh („Der Tod in ihren Händen“) und Louise Erdrich („Der Nachtwächter“) zu ihren Lesungen am Freitag live zugeschaltet.