Berlin - „Ladys!“, begann Leïla Slimani am Mittwochabend ihre Eröffnungsrede für das 21. Internationale Literaturfestival (ilb), denn sie sprach auf Englisch. „Meine Damen, ich möchte Sie heute Abend dazu ermutigen, einen Mord zu begehen.“ Mit diesem Satz hatte die franko-marokkanische Schriftstellerin, die 2016 mit dem Prix Goncourt geehrt wurde, sofort die volle Aufmerksamkeit des Publikums im Betonsaal im Kulturquartier Silent Green.

Es ginge nicht gegen die Männer – „Keine Angst, meine Herren“ –, die könnten sich sogar gern am Verbrechen beteiligen. Umzubringen sei das Phantasma sittsamer, sich unterordnender Weiblichkeit, das Frauen auf allen Kontinenten und seit vielen Generationen einschränkt, kleinhält, entmutigt: das lächelnde, verlogene, erstickende Monster „wahre Frau“. Die Mittel, es zu töten, sind, so die Rednerin weiter, nicht schwer zu finden. Es könnten Stifte mit gespitzter Mine sein. Sie selbst entdeckte sie, von traditionellen Geschlechterrollen abgestoßen, als Jugendliche in Marokko in der Bibliothek: „Bücher gaben mir die Waffen, um zu verstehen, mich zu verteidigen, zu reagieren und zu überzeugen. Ich war eine Frau und eine Leserin. Ich war gefährlich.“

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