Berlin - Die Stadt Berlin wird sich voraussichtlich weitere zwanzig Jahre um das Grab des Dichters Oskar Loerke kümmern. Wie die Berliner Zeitung am Donnerstag aus Senatskreisen erfuhr, berücksichtigt der Rat der Bürgermeister das Engagement von verschiedenen Institutionen und Persönlichkeiten aus der Kultur, die sich für den Fortbestand des Ehrengrabs einsetzten. In der Senatsvorlage vom 6. Juli, die Entscheidungen über zehn neue Ehrengräber enthielt, wurde auch vorgeschlagen, 53 Ehrengrabstätten zu verlängern und auf die Betreuung von sieben bisherigen Ehrengräbern zu verzichten. Im Fall der Grabstätte von Oskar Loerke (1884-1941) in Frohnau stieß die Ankündigung auf Missfallen.

Protestiert hatte, wie gemeldet, der Schriftsteller Lutz Seiler, außerdem formulierte das deutsche PEN-Zentrum seinen Unmut, und auch die Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft e.V. schickte einen Brief an die Versammlung der Bürgermeister Berlins. Beate Kennedy, Hanns Zischler und andere erklären: „Als Lyriker seiner Generation steht Loerke auf einer Stufe mit Bertolt Brecht, Gottfried Benn und Wilhelm Lehmann.“ Die Tatsache, dass Brechts Ehrengrab verlängert werde, Loerkes jedoch nicht, deuten die Absender des offenen Briefes so, „dass in Berlin nur der Literat geehrt wird, der noch eine gewisse Popularität genießt, während die tatsächliche Bedeutung zweitrangig ist“

Oskar Loerke und Wilhelm Lehmann waren, so heißt es weiter in dem Brief, Dichterfreunde. Loerke widmete sich nicht nur dem eigenen literarischen Werk, er wurde 1917 in Berlin Verlagslektor bei S. Fischer in Berlin und betreute unter anderen die Manuskripte der späteren Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, Gerhart Hauptmann und Hermann Hesse. Dass er nicht vergessen ist, zeigt die Reaktion auf die Senatsvorlage.