Nach und nach sickert durch, welche Prominente bei der Bundesversammlung dabei sind, wenn es sehr wahrscheinlich darum geht, Frank-Walter Steinmeier wieder zu wählen. Der Virologe Christian Drosten ist darunter, die Journalistin Ferda Ataman, die Dragqueen Gloria Viagra und der Musiker Dirk Zöllner. Schön wäre es, wenn die Autoren Mithu Sanyal, Dmitrij Kapitelman und Simone Buchholz mit dazu kämen, denn sie haben sich gerade gründlich Gedanken über unser Land gemacht. In der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten sie einen Vorschlag: Um „die Politik poetischer und die Poesie politischer“ zu machen, brauche Deutschland „eine Parlamentspoetin“.

So eine Bundespräsidentenwahl böte auch schon Anlass, ein Gedicht zu verfassen. Man denke an Amanda Gorman, die weltberühmt wurde, weil sie zur Amtseinführung des US-Präsidenten Joe Biden auftrat. Die Tradition in den USA kommt aus dem britischen Königreich, das seit rund 350 Jahren einen Staatsdichter hat, einen Poet Laureate, derzeit Simon Armitage. 

Auch in Kanada gibt es diesen Posten. Mithu Sanyal, Dmitrij Kapitelman und Simone Buchholz schwärmen von Louise Bernice Halfe aus dem Volk der Cree, die sie auf der Frankfurter Buchmesse erlebt hatten, da Kanada sich als Gastland präsentierte. Als Parlamentarische Poetin Kanadas ist sie nicht nur fürs Offizielle zuständig, sondern „generell für die Poesie im Parlament und um das Parlament herum“.

So etwas wollen die drei Deutschen auch. Glücklicherweise nicht das Staatstragende, das hat hierzulande keine gute Tradition. Sie wünschen sich ein poetisches Gespür in der Politik, eine Irritation, einen Störfaktor zum Neudenken. Denn Politik sei das, „was uns direkt und unmittelbar betrifft. Etwas zuweilen bis zur Irrationalität Emotionales und äußerst Persönliches, fast wie Poesie“.

Angesichts der Debatten um Preise und Sichtbarkeit von Autorinnen und Autoren verschiedener Herkunft und Schreibweisen kann doch jede Wahl ins höchste Dichteramt nur heikel sein. Aber auch dazu haben die drei einen Vorschlag, sie wollen eine Auswahlkommission, „die unser Land wirklich repräsentiert: so divers wie nur irgend möglich“. So wie die drei Autoren mit ihren Biografien. Sie haben die Idee ausgesprochen, die Kulturstaatsministerin kann ja schon mal anfangen, daran zu kauen. Und wenn dann ein Buch dazu entsteht, sollte es im Verlagshaus Berlin erscheinen. Das hat von Anfang an das Motto „Poetisiert euch“.