Wenn eine Professorin den Namen Saraswati trägt, dann sollten ihre Studenten wissen, dass sie in guten Händen liegen. Schließlich ist Saraswati die indische Göttin der Weisheit, des Wissens, des Lernens. Und auf die Saraswati der Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf, die Postcolonial Studies lehrt, auf verschiedenen Panels spricht und hohes Ansehen weltweit genießt, trifft das natürlich auch zu. Sie ist eine Koryphäe, die mit einem bloßen Lächeln ein noch so überzeugendes Argument zerlegen kann.

Nur: Obwohl Saraswati sich als Inderin ausgibt, ist sie in Wirklichkeit eine weiße Deutsche. Sie heißt Sarah Vera Thielmann und hat sich das POC-Sein über die Jahre angeeignet, denn „Weißsein ist ein Mangel. Weißsein ist eine Abwesenheit von Identität“, wenn es nach Saraswati geht. Also hat sie ihr eigenes Weißsein zweckdienlich abgelegt, ohne dass ihr jemand irgendeine „EhrenPOCwürde“ erwiesen hätte. Diese Person soll jetzt also die letzte Instanz sein, wenn es um so wesentliche Themen wie Identität, Rassismus und Postkolonialismus geht? Was für eine genial ausgeklügelte Prämisse, mit der Mithu Sanyal ihre Leser in ihrem Debütroman „Identitti“ konfrontiert.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.