Was für ein Albtraum: Bei einer Wanderung wird Nastassja Martin von einem Bären angegriffen, er zerbeißt eine Gesichtshälfte samt Unterkiefer und verletzt sie am Bein. Die französische Anthropologin ist auf der Halbinsel Kamtschatka unterwegs, wo sie den Alltag und die Mythen der Ewenen studiert, die traditionell von Rentierzucht und Jagd leben. Die Begegnung mit dem Bären ist spektakulär, aber ebenso bemerkenswert ist, wie Martin sie in ihrem autobiografischen Buch verarbeitet: Persönliches Erleben, Naturverständnis einer indigenen Kultur und wissenschaftliche Reflektion kippen ineinander und verstricken sich. Martin beginnt eben jene Kosmologie zu teilen, die sie studiert, in Träumen fühlt sie sich dem Bären, in dessen Rachen ihr Gesicht steckte, immer näher.

Behandelt wird sie erst in einem entlegenen, nach mitteleuropäischen Maßstäben schlecht ausgestatteten Krankenhaus, dann in einer topmodernen Pariser Klinik, in der man aus Angst vor gefährlichen Bären-Bakterien streng isoliert. Einen Krankenhauskeim holt sie sich auf der Spezialstation in Paris. Das alles ist spannend (heilt die Wunde?), gut erzählt und hochinteressant, denn es verunsichert auf sehr persönliche und sehr reflektierte Art und Weise die gewohnten Beziehungen zwischen Mensch und Tier.

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