Stella Nyanzi musste erst einmal für ihre Kinder Wintersachen kaufen, als sie in München ankam. Die hatten sie in Uganda nie benötigt. Seit einigen Tagen lebt sie mit den 14-jährigen Zwillingen in Deutschland – mit einem Stipendium des Writers-in-Exile-Programms des PEN. Hier will sie wieder schreiben, mehr schreiben als zuvor. Die 47 Jahre alte Dichterin, die in Kampala Literatur studiert hat und in London medizinische Anthropologie, steht in erklärter Feindschaft zum ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni, der seit 1986 regiert. Mehrfach kam sie in Haft, weil sie ihm nicht gehaltene Versprechen vorwarf. So hatte sie initiiert, Monatshygiene-Produkte kostenlos an Mädchen abzugeben, die sonst nicht zur Schule gehen könnten, aber das wurde gestrichen. Zuletzt beklagte sie, dass die Corona-Pandemie als Ausflucht benutzt werde, um weiter bei den Ärmsten zu sparen.

Gegenentwurf zur Gewalt

Die Schriftstellervereinigung PEN bietet mit dem Programm Autoren, die in ihren Herkunftsländern verfolgt werden, einen maximal dreijährigen Aufenthalt aus Mitteln der Kulturstaatsministerin. Man hilft ihnen, Kontakte zu knüpfen, es gibt Lesungen und Gespräche. Die PEN-Vizepräsidentin Astrid Vehstedt zitiert in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung aus einem Gedicht der neuen Stipendiatin: „Lächeln als Waffe, um jene zu verblüffen, die uns brechen wollen“. Sie nennt diesen Gegenentwurf zu Gewalt und Unterdrückung nur scheinbar schwach.

Stella Nyanzi selbst nutzt allerdings auch gern „radikale Unhöflichkeit“, um Aufmerksamkeit zu erregen. Der britischen Zeitung Guardian erklärte sie, nach Uganda zurückkehren zu wollen, „aber ich möchte auch nicht, dass meine Kinder nachts alleine schlafen müssen, weil ihre Mutter in einer Gefängniszelle sitzt, nur weil sie ein Gedicht über Museveni geschrieben hat“.