Isabel hat eine Leiche zu entsorgen. Aus ihrer Souterrain-Wohnung in der Kreuzberger Katzbachstraße. Ist es der merkwürdige Herr aus der Galerie? Vielleicht einer aus dem Schreibseminar? Ferdi, ihr aufdringlicher Vermieter? Oder gar der Sohn von Frau Baumann aus Friedenau? Wir erfahren es erst ganz am Ende von „Katzbach“, dem neuen Roman der Berliner Schriftstellerin Regina Nössler.

Bekannt durch den Roman „Die Putzhilfe“

Bis dahin folgen wir Isabel bei ihren Touren in Abwehrhaltung durch die aufdringliche Welt. Vom Bürojob zum Frau-Baumann-Sitting in Friedenau, zum Schreibseminar, wo sie den Leiter bespitzeln soll, zum Prosecco bei Ausstellungseröffnungen oder zum Kaffee in die Markthalle mit Babs. Überall lauern Unbill, soziale Überforderung und Angebote zum Glück, für Isabel eine Unverschämtheit. Als sie im Viktoriapark überfallen wird und tagelang mit farbig funkelnder Nase herumlaufen muss, beginnen die Dinge einen merkwürdigen Verlauf zu nehmen. Isabel muss dann ein paar Anrufe machen, und schon sieht alles anders aus. Besser? Na ja.

Isabel ist eine Eigenbrötlerin, wieder eine von den widerspenstigen Frauen Regina Nösslers, die vor zwei Jahren mit „Die Putzhilfe“ für Überraschung in der Krimiwelt sorgte, wieder eine, die Zeitgeist, sozialem Gewusel und jeder Art von Selbstoptimierung in tapferer Verweigerungshaltung trotzt. Dieses umtriebige Potenzial aus der Lauerstellung hätte man im aufgehübscht strotzenden Kreuzberg gar nicht mehr vermutet.

Regina Nössler: Katzbach. Roman. Konkursbuch-Verlag, Tübingen 2021. 350 Seiten, 12,90 Euro