Eine junge Elsässerin sitzt neben ihrem marokkanischen Ehemann auf einem Eselskarren und fährt ihrer Zukunft entgegen. So beginnt der neue Roman von Leïla Slimani. Die beiden wollen am Fuße des Atlasgebirges eine Farm aufbauen. Das Grundstück ist steinig und schlecht, die guten Böden haben längst französische Siedler unter sich aufgeteilt. Dass die blonde Mathilde und der schwarzhaarige Amine Belhaj verheiratet sind, finden viele skandalös. „Sieh dir die an. Die hat ein Araber geschwängert“, tuscheln die Frauen im französischen Viertel der nahen Stadt Meknès.

Die in Marokko aufgewachsene und in Paris lebende Leïla Slimani ist eine sehr erfolgreiche, sehr provozierende Schriftstellerin: Ihr Erstling porträtiert eine sexsüchtige Pariserin, ihr zweiter Roman – „Dann schlaf auch du“ – erzählt von einer Nanny, die die ihr anvertrauten Kinder tötet. Er wurde ein internationaler Bestseller und mit dem Prix Goncourt geehrt. Slimani veröffentlichte den interviewbasierten Essayband „Sex und Lügen“ über Frauen in Marokko und wurde von Präsident Macron zur offiziellen Botschafterin für Frankophonie erklärt. Auch das sorgte für Aufregung, dominierte Frankreich doch seine Kolonien nicht zuletzt mit der französischen Sprache.

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