Ein Zorn muss ihn diesmal angetrieben haben, den meisterhaften Zeichner verlorener Seelen Friedrich Ani. Ein Zorn über das, was Männer Frauen antun; mit größter Selbstverständlichkeit, als stünde ihnen der Gebrauch von Frauenkörpern per Geburtsrecht zu. „Jetzt zum Mitschreiben“, diktiert in „Letzte Ehre“, dem neuen Roman, ein gewisser Stephan Barig der Polizistin Fariza Nasri, er sei „ein Mann, vor allem da, wo’s drauf ankommt. Ich kann, wenn ich muss, und ich muss oft.“ Und was geht ihn das an, wenn die 17-jährige Tochter seiner Freundin verschwunden ist? Und was geht ihn das an, wenn eine Frau sich beschwert, die er doch gut bezahlt hat für Sex? „Die Aussage der Nutte ist wertlos, wie der ganze Mensch.“

Schon immer hat der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani in seinen die Grenzen des Genres auslotenden Kriminalromanen den Blick auf die Opfer gerichtet. Bekannt geworden ist er als Erfinder des einfühlsamen Tabor Süden, Ermittler in der Vermisstenstelle. „Letzte Ehre“ ist einerseits ein traditionellerer Krimi, blickt andererseits vor allem durch die Augen der Ermittlerin aufs Geschehen, folgt ihren Befragungen, verschweigt nicht ihre Irritationen, auch nicht ihren Kampf mit sich selbst. Sie ist sich fremd, wenn sie in den Spiegel schaut. Sie geht auf die 60 zu, spürt ihr Alter, lebt allein – und wenn die Nerven mit ihr durchgehen, dann bellt sie auch mal.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.