Guldenberg in Sachsen. Mit einem knappen Porträt der fiktiven Kleinstadt beginnt der Roman, der ihren Namen trägt. Hier herrscht der „gewöhnliche Rhythmus eines erschöpften Schlendrians“, unaufgeregt lebt man zusammen. Doch nun gebe es eine „auffällige Verunsicherung“. Unbegleitete minderjährige Geflüchtete aus Afghanistan und Syrien, durch einen Verteilungsschlüssel der Landesregierung in Guldenberg gelandet, untergebracht im ungenutzten Alten Seglerheim, sorgen durch ihre bloße Gegenwart für eine Änderung der Atmosphäre.

In 34 kurzen Kapiteln stellt Christoph Hein aus verschiedenen Perspektiven die Ereignisse mehrerer Monate dar, in denen kaum Handlung von den Jungs ausgeht, aber viele Gespräche sich um sie drehen. Für die Handlung sorgen die anderen, die alteingesessenen Bürger. Der Autor erzählt weniger, als dass er sowohl das Geschehen als auch die Ansichten darüber in Dialoge übersetzt. Hein, der schon Dramatiker war, bevor er sich der Prosa zuwandte, charakterisiert die Positionen durch die Figurenrede in unterschiedlichem Tempo, in unterschiedlicher Schärfe. Da gibt es die Skatrunde in der Kneipe, den Bürgermeister und den Nutzfahrzeug-Fabrikanten, den Pfarrer und seine Hausangestellte oder eine junge Frau, die im Seglerheim arbeitet und mit ihrer Urgroßmutter über die alten Zeiten spricht.

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