Während die Figuren reden, lauter werden und herumschreien und das Publikum kichert, lacht und sich erschreckt, tun sich in den Theaterstücken und in den Romanen von Yasmina Reza Abgründe auf. Es sind die Abgründe, in denen sich vielleicht Wahrheiten zeigen, jedenfalls platzt Unaussprechliches hervor, das – zivilisatorisch betrachtet zu Recht – normalerweise verborgen bleibt. Die Wahrheiten und das Unaussprechliche (sei es unaussprechlich beleidigend, deprimierend oder dumm) haben in Rezas Konstruktionen genug damit zu tun, sich an der Gegenwart abzuarbeiten. Die Gegenwart, das eigene Erleben und gerade noch die persönliche Erinnerung sind es, aus dem sich Rezas Dialoge und Geschichten speisen. Dabei geht es nicht so sehr um Egoismus, sondern um die einzige Sphäre, die dem Individuum wirklich fassbar zur Verfügung steht. Die Macht des Jetzt, sie ist gewaltig, aber gerade in der Literatur wird sie oft unterschätzt. Nicht von Yasmina Reza.

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