Als das „Shen-Fieber“ nach New York kommt, zieht die „Senior-Produktkoordinatorin“ Candace Chen eine Atemschutzmaske mit dem Logo ihrer Firma an. Sie arbeitet in einem schicken Büro 23 Stockwerke überm Times Square. Ihr Job ist es, Bibeln möglichst billig drucken zu lassen. Am besten geht das in China. In Warenlieferungen von dort stecken aber eben jene Pilzsporen, die sich zügig zur Katastrophe auswachsen. Das von ihnen ausgelöste Fieber ist tödlich, es zerstört das Hirn. Erkrankte gehen zombiegleich ihren gewohnten Tätigkeiten nach, verwahrlosen und verhungern.

Ling Ma, wie ihre Ich-Erzählerin Candace in China geboren und in den USA aufgewachsen, entfaltet in ihrem Debütroman „New York Ghost“ die Geschichte einer Pandemie. Obwohl vor Corona geschrieben, erscheint darin vieles beklemmend vertraut: Anfängliche Sorglosigkeit, ungläubiges Staunen, als die Krankheit die ganze Welt ergreift, Menschen in Quarantäne, Menschen mit Masken und sehr viele Tote. Die Krankheitserreger entwickelten sich nicht in Tieren, sondern in den „Sonderwirtschaftszonen Chinas (…), wo sich Sporen aus den hochspezifischen Chemikalienmischungen speisten“.

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