Die neunjährige Lena ist nun ein Pionier und darf zum ersten Mal ins Sommerferienlager Orljonok (Kleiner Adler) an die Schwarzmeerküste fahren, eine Nacht mit dem Zug und dann noch ein paar Stunden mit dem Bus von zu Hause entfernt. Sechs Wochen lang bleibt sie dort: jeden Morgen Frühsport und Appell, arbeiten in den Gewächshäusern oder in der Küche, Lagerfeuer, Gruselgeschichten, Freundschaften. Das Ferienlager existiert heute noch.

Damals, in den Siebzigern, gab es dort eine „Straße der Helden“ mit Betonstatuen von Vorbildern, zum Beispiel von Pawel Morosow, dem ersten aller Pioniere. Den damals 13-jährigen Kommunisten und seinen kleinen Bruder Fjodor soll der eigene Großvater 1932 beim Beerensammeln erstochen haben, denn die Bauernjungen haben verraten, wo der Vater, ein Kulak, Getreide versteckt hatte. Diese Legende aus der Zeit der Kollektivierung spielt in Swerdlowsk, während in der Ukraine der Holodomor im Gange war. Nachts hört die neunjährige Lena von schlaflosen Pionieren Geschichten über Kulaken, die das Fleisch ihrer eigenen Kinder von den Knochen nagten. Vielleicht war Pawel wirklich ein Held.

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