Tsitsi Dangarembga wird am 24. Oktober eine Rede in der Paulskirche zu Frankfurt am Main halten. Denn wie der Stiftungsrat am Montagmorgen mitteilte, erhält sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021, eine der bedeutendsten in Deutschland vergebenen Auszeichnungen, dotiert mit 25.000 Euro. In der Begründung heißt es, die 62-Jährige verbinde in ihrem künstlerischen Werk ein einzigartiges Erzählen mit einem universellen Blick und sei deshalb „nicht nur eine der wichtigsten Künstlerinnen ihres Landes, sondern auch eine weithin hörbare Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur“.

Ihr Werk und ihr Einsatz für den Friedensgedanken (den ja der Frankfurter Preis ehrt) sind international längst aufgefallen. Für ihre „Fähigkeit, lebenswichtige Wahrheiten auch in Zeiten des Umbruchs zu erfassen und zu kommunizieren“, wurde ihr in diesem Jahr auch der PEN-Pinter-Preis zuerkannt, benannt nach dem Nobelpreisträger Harold Pinter. Die Schriftstellervereinigung PEN unterstützt damit das Engagement einer Frau, die in ihrer Heimat unter kritischer Beobachtung steht.

Verhaftet wegen eines Plakats

Im vergangenen Jahr wurde Tsitsi Dangarembga in Harare verhaftet, als sie gegen Korruption protestierte. Zusammen mit einem Freund stand sie an einer Straßenkreuzung und hielt ein Plakat hoch mit der Aufschrift: „Wir wollen Besseres. Reformiert unsere Institutionen“. Wie die Deutsche Welle berichtete, wurde Tsitsi Dangarembga am Tag nach ihrer Verhaftung freigelassen, doch weiterhin „beschuldigt, an einem Treffen teilgenommen zu haben mit der Absicht, zu öffentlicher Gewalt, Friedensbruch und Bigotterie aufzustacheln“.

1959 in Mutuko geboren, verbrachte sie einen Teil ihrer Kindheit und Jugend in London, studierte dann an der Universität von Harare Psychologie und schloss sich einer Theatergruppe an. Mit 25 Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Roman, „Nervöse Zustände“. Die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing bezeichnete ihn als einen der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts.

1991 erschien er bei Rowohlt als „Der Preis der Freiheit“ auf Deutsch, inzwischen ist er als „Aufbrechen“ im Orlanda Verlag wiederaufgelegt worden. Es ist der Anfang einer Trilogie über ein Mädchen vom Dorf, 2006 folgte mit „The Book of Not“ der zweite Teil. Der dritte Band, „This Mournable Body“, spielt im postkolonialen Simbabwe der 1990er-Jahre und war 2020 für den Booker Prize nominiert. In unserer Zeit, da endlich in Europa über die Folgen des Kolonialismus diskutiert wird, kann Tsitsi Dangarembgas Stimme helfen.

Berlin ist der Autorin nicht fremd. Vor zwei Jahren kuratierte sie das Programm des African Book Festival in Berlin. Sie studierte hier von 1989 bis 1996 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie und promovierte in Afrikastudien an der Humboldt-Universität. Ihr in dieser Zeit entstandener Film „Neria“ wurde zum erfolgreichsten Film Simbabwes. Dort lebt sie seit 2000 wieder mit ihrer Familie, arbeitet vor allem für den Film.