Drei Tage, zwei Welten: Am Wochenende steht Tsitsi Dangarembga in Deutschland als Künstlerin im Mittelpunkt von Kulturveranstaltungen. Am Montag wird in Simbabwe entschieden, ob ein Prozess, der sie ins Gefängnis bringen könnte, fortgesetzt wird. Die 63-jährige Schriftstellerin ist die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels von 2021, einer international renommierten Auszeichnung. Sie hat aber auch (nachdem sie bereits Medizin in Cambridge und Psychologie in Harare studiert hatte) eine Regieausbildung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) absolviert und ihre ersten Filme Anfang der Neunzigerjahre in Berlin gedreht.

Einer davon, „Die Schönheitsverschwörung“, rund um einen Afro-Beauty-Shop in der Kantstraße, ist am Sonnabend im Filmmuseum Potsdam zu sehen, außerdem zwei in Simbabwe entstandene Kurzfilme, die vor allem auf den Umgang mit Frauen in der Gesellschaft blicken. Am Tag darauf wird Tsitsi Dangarembga über diese Themen auch sprechen, wenn im Rahmen des Festivals Lit:Potsdam mit dem Band „Verleugnen“ ihre komplette Tambudzai-Trilogie vorgestellt wird.

Ganz praktisch geht es für sie um den Kampf um Bürger- und speziell Frauenrechte am Montag in Harare. Die Autorin, deren Bücher in Simbabwe in den Schulen und Universitäten behandelt werden, steht wegen Aufforderung zu Gewalt und Störung des Friedens unter Anklage.

Eine Versammlung aus zwei Frauen

Barbara Groeblinghoff, Projektleiterin der Friedrich-Naumann-Stiftung für Südafrika und Simbabwe, erklärt am Telefon die Zusammenhänge. Am 31. Juli 2020 war Dangarembga gemeinsam mit der Aktivistin Julie Barnes in Harare festgenommen und kurz darauf wieder freigelassen worden. Mehr als zwanzig Mal mussten die beiden Frauen inzwischen vor Gericht erscheinen. Zwei Tatbestände werden ihnen vorgeworfen: erstens, dass sie bei einer Versammlung Corona-Auflagen missachtet, zweitens, dass sie zu Gewalt aufgerufen hätten.

„Aber diese Versammlung bestand nur aus den beiden Personen! Sie hatten beide Plakate getragen, Barnes hielt ihres in den Händen, Dangarembga hatte ein zweiteiliges mit Schrift an Vorder- und Rückseite am Körper getragen. Damit sind sie Richtung Parlament gelaufen und verhaftet worden“, so Barbara Groeblinghoff. Bei Dangarembga sei vorn zu lesen gewesen, dass sie sich ein besseres Simbabwe wünsche und dass die Institutionen reformiert werden müssten. Mit dem Plakat auf dem Rücken habe sie zur Freilassung eines Journalisten aufgerufen.

Groeblinghoff ist über alle Details informiert, weil ihre Kollegin Fungisai Sithole, Mitarbeiterin der Stiftung in Simbabwe, den Prozess beobachtet – übrigens auf Bitte von Dangarembgas Berliner Verlag Orlanda. Die Polizisten, die als Zeugen der Staatsanwaltschaft auftraten, hätten im Kreuzverhör mit dem Anwalt zugeben müssen, dass von einem Aufruf zur Gewalt auf den Plakaten nicht die Rede sein konnte. Der letzte Kronzeuge deutete gar an, dass es möglich sei, dass sie wegen einer Straftat verhaftet wurden, die sie nicht begangen haben, da Polizeibeamte häufig auf Verdacht arbeiteten. Angesichts dieser dünnen Beweislage forderte der Verteidiger Christopher Mhike, dass das Verfahren eingestellt wird. Die Vorsitzende Richterin wollte das prüfen und am 27. Juni verkünden, ob sie diesem Antrag stattgibt. „Wenn das nicht passiert, wird weiter verhandelt.“

Von Europa aus gesehen, wirkt der Prozess wie eine Farce, wie sind die Reaktionen in Simbabwe? Barbara Groeblinghoff antwortet lakonisch: „Da sage ich mal: Das ist ortsüblich, aber nicht angemessen. Tsitsi Dangarembga und Julie Barnes sind zwei unter vielen Simbabwerinnen und Simbabwern, die mit ähnlich fadenscheinigen Anwürfen konfrontiert oder sogar verhaftet werden. Das trifft häufig Journalistinnen und Journalisten, aber auch andere, die sich politisch und in der Zivilgesellschaft betätigen. Deshalb gibt es jetzt keinen Aufschrei, weil das schon so normal ist.“ Das Ganze diene der Einschüchterung der Unzufriedenen in der Bevölkerung, damit sie das Gefühl bekämen, sie dürften sich gar nichts erlauben, wenn sogar mit solchen Prominenten so umgegangen werde. Tsitsi Dangarembga befindet sich jetzt in Berlin, aber sie habe versichert, sie wolle zurückkommen. „Bliebe sie im Ausland, würde sie es der simbabwischen Regierung zu einfach machen.“