Berlin - Die deutschsprachige literarische Szene war in heller Aufregung, als Helga Schubert im vergangenen Jahr den Bachmannpreis gewann. Mit 80! Juroren, Kritiker und Autoren entdeckten staunend eine Autorin, deren letzte Buchveröffentlichung rund 20 Jahre zurücklag. Nun erscheint bei dtv ihr Geschichtenband „Vom Aufstehen“. Die Bücherfrage der Woche geht an Helga Schubert: Mit welchen Gefühlen begleiten Sie den Weg Ihres Buches zu den Lesern?

Bisher haben sich nur die Literaturfachleute geäußert, denn nur die bekamen das Buch vorab. Und das klang alles für mich sehr erfreulich. Vom 18. März an wird es verkauft, von da an kann ich nur hoffen, dass die normalen Menschen, die tagsüber ja noch andere Sorgen haben als mein Buch und sich vielleicht nur abends oder am Wochenende hinsetzen können, um zu lesen, was ich aus den vergangenen Jahrzehnten zu erzählen habe, dass diese Adressaten berührt und etwas glücklich werden.

Das sind Geschichten einer mit Spreewasser Getauften, die nun aber schon lange hier in einem mecklenburgischen Dorf wohnt. Und es sind ja alles Berliner, denen ich meinen Weg verdanke. Wenn nicht Thomas Geiger vom Literarischen Colloquium die Idee gehabt hätte, mich zu einer Tagung nach Berlin einzuladen, hätte mich Insa Wilke nicht für den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb ausgewählt. Und ohne den Preis hätte mich nicht die Berliner Literaturagentin Karin Graf unter ihre Fittiche genommen. Durch sie kam ich zum Verlag dtv, und der bringt nun auch meine früheren Bücher wieder heraus. Und die Buchpremiere überträgt auch das Literaturhaus Berlin, am Donnerstag.

Mit dem Preis hat sich mein Leben noch einmal verändert.

Ich habe so unglaublich viele Anfragen nach Interviews bekommen. Anfang der Woche war ich im Funkhaus Schwerin, wo nacheinander der NDR-Hamburg, der Südwestfunk und der Deutschlandfunk ein Aufnahmestudio für einstündige Sendungen mit mir gebucht hatten. Und dann habe ich bis tief in die Nacht Fotos für einen Fernsehbeitrag rausgesucht. Einscannen und verschicken musste ich sie auch. Das ist übrigens ulkig. Manchmal schreiben mir Redakteure ganz ausführlich, wie ich einen Text-Anhang zu öffnen oder ein Audiofile zu versenden hätte. Die denken, eine 81-Jährige kann das nicht. Aber ich bin nicht nur Schriftstellerin, sondern auch noch die Vollzeit-Pflegerin meines Mannes, der gerade 94 geworden ist. Ohne Internet könnte ich das Leben hier nicht managen.

Sie fragen nach meinen Gefühlen? Das ist eine Glückslawine. Weil ich so alt bin, weiß ich, dass es nicht immer so weitergehen wird.

„Vom Aufstehen“, dtv, 224 Seiten, 22 Euro. Erscheint am 18.3.