Berlin - „Stoffe. Woraus besteht die Gegenwartsliteratur?“, steht als Frage über dem Programmeintrag vom Mittwoch im Literarischen Colloquium Berlin (LCB). Zora del Buono und Sandra Hoffmann reden über „Pyrit“ und „Erbe, immateriell“. Das klingt rätselhaft. Die Bücherfrage der Woche stellen wir Thorsten Dönges, der beim LCB mit für das Programm verantwortlich ist und die Gesprächsreihe entwickelt hat: Herr Dönges, was erwartet uns bei diesem Abend mit den beiden Schriftstellerinnen?

Foto: Martin Fengel
Die Schriftstellerin Sandra Hoffmann.

Thorsten Dönges: Mit dem Titel beziehen wir uns auf Friedrich Dürrenmatt und sein Buch „Stoffe“. Das ist so etwas wie ein Gang durch das eigene Werk. Daran knüpfen wir bei Autorinnen und Autoren der Gegenwart an. Wir fragen, was bei ihnen – auch ein Dürrenmatt-Wort – „Keime“ zu Stoffen sind und auf welche Weise sie damit arbeiten.

Dazu haben wir uns verschiedene Formate überlegt. Eröffnet wurde die Reihe im Februar mit einem Gespräch zwischen Angela Steidele, Eva Menasse, Lutz Seiler und Matthias Nawrat, das weiterhin online ist. Es gab moderierte Lesungen mit einem Autor, es haben sich auch Autoren zu zweit ohne Moderation unterhalten. Eine solche Form wird es nun wieder am Mittwoch sein.

Die Autorinnen begegnen sich zum ersten Mal

Zora del Buono habe ich eingeladen, weil wir unbedingt auf ihren Roman „Die Marschallin“ (Verlag C.H. Beck 2020) hinweisen möchten. Ein hervorragendes Buch. Es erzählt vom komplizierten Leben ihrer Großmutter, einer Kommunistin aus Jugoslawien, die zu Mussolinis Zeiten in Süditalien gelebt hat. Höchst spannend für die Frage, wie ein Stoff aus der Familiengeschichte zu Literatur wird. Ich habe sie gefragt, mit wem sie sich unterhalten möchte. Sie hat Sandra Hoffmann vorgeschlagen, nicht zuletzt wegen ihres Memoirs „Paula“, 2017 bei Hanser Berlin erschienen, auch eine Recherche zur eigenen Großmutter. Die beiden Autorinnen kennen sich bislang noch nicht persönlich, umso mehr freue ich mich auf die Begegnung am Mittwoch im LCB.

Neben den Veranstaltungen entsteht zugleich ein Archiv auf lcb.de. Alle Beteiligten schicken einen kurzen Text und ein Foto zu einem Stoff, der mit ihrem Schreiben in Zusammenhang steht. Das kann etwas Materielles sein, Stephan Lohse zum Beispiel hatte Filz ausgewählt, Angela Steidele Hosen. Zora del Buono schreibt über Pyrit, also ein Mineral. Es gibt auch „Das Geistige“, Sandra Hoffmann entschied sich für „Erbe, immateriell“. Diesmal finde ich sehr schön, wie die beiden kurzen Essays, die auf der Website des LCB zu finden sind, miteinander korrespondieren. Es geht um Recherchen in der eigenen Familie. Es geht auch um Schuld und Scham und darum, was das für das Erzählen bedeutet. (Redaktion: Cornelia Geißler)

Mi, 31.3., 19.30 Uhr im Livestream und danach noch abrufbar auf lcb.de