Berlin - Anfang der 80er-Jahre war die polnisch-schweizerische Psychologin Alice Miller mit populärwissenschaftlichen Büchern erfolgreich, die sich mit den Traumata frühkindlicher Erziehung befassten. Ein Kind, so eine ihrer Thesen, lerne nicht das, was ihm mit Worten beigebracht werde, sondern das, was sein Körper erfahren habe. Ein geschlagenes, verletztes Kind neigt dazu, zu schlagen und zu verletzen, das beschützte und respektierte Kind ist bereit, Schwächere zu respektieren und zu beschützen. Ein sich wiederholender Kreislauf – im Guten wie im Schlechten. Zur Geschichte dieser Erfahrungen gehört laut Miller auch die spätere Idealisierung der Eltern. Man vergisst, um sich vor dem Schmerz der einst erlittenen Verwundungen zu schützen.

Vom Vergessen ist viel die Rede in Harald Martensteins Roman „Wut“, in dem er seinen Ich-Erzähler Frank die Qualen einer von Brutalität gezeichneten Kindheit durchleben lässt. Seinen Vater habe er geliebt, schreibt Martenstein im Prolog. „Vor meiner Mutter hatte ich Angst.“

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