Es bedurfte schon einer Neigung zur mutwilligen Verklärung, um die britische Industriestadt Liverpool in den 1960er-Jahren als Herzensort zu feiern. Für Gerry Marsden und sein lyrisches Ich lief das in dem Song „Ferry Cross The Mersey“ auf einen klaren Fall von Heimatliebe hinaus: „This land’s the place I love.“ Die Leute, heißt es in dem Stück, laufen kreuz und quer durcheinander, und jeder hat so seine Geheimnisse. Die Fähre über den Mersey aber scheint die auseinanderstrebenden Emotionen zu binden.

Was Gerry Marsden in sparsamen Worten zu einer eingängigen Melodie sang, drückte das Gefühl einer Zeit aus, das wenig später weltweit durch die Populärkultur verströmt wurde. „Ferry Cross The Mersey“ gehörte zum Markenkern des sogenannten Mersey-Beats, der vor allem mit den Beatles in Verbindung gebracht wurde, in Gerry and The Pacemakers aber einen wichtigen Schrittmacher fand. Selbst in Großbritannien galt es keinesfalls als selbstverständlich, dass der das ganze Land prägende Fluss fortan der in die irische See fließende Mersey-River sein sollte und nicht etwa die Themse.

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