BerlinThomas Ostermeier hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Nerven gezeigt, er hat einen Vorschlag, wie man den gordischen Corona-Knoten aus Hygiene, Verordnungen, Lockdown und Theaterarbeit zerschlägt. Im November hätte Virginie Despentes’ „Das Leben des Vernon Subutex 1“ mit Joachim Meyerhoff in der Hauptrolle Premiere gehabt, in der Regie des künstlerischen Leiters der Schaubühne. Verschoben muss nicht aufgehoben sein, aber im Dezember folgen zwei weitere große Premieren. Wenn sie denn stattfinden können. Was ist, wenn die Theater doch geschlossen bleiben müssen? Wie soll man so trotz Kurzarbeitergeld, das den Laden noch am Leben erhält, vernünftig wirtschaften – und wie künstlerisch frei arbeiten? 

Ostermeiers Vorschlag: „Leute, lasst uns die Wintermonate zumachen und das im Sommer kompensieren.“ Die Vorteile liegen auf der Hand. Man muss nicht vor dem Hintergrund einer möglichen Absage arbeiten, den aufwendigen Theaterbetrieb warmhalten, was Kosten, Mühen und vor allem künstlerische Energie verbraucht, die vielleicht nie oder nicht in dem Maß vor Publikum umgesetzt werden kann, was ja der Sinn des Ganzen ist. Wer sehnt sich nicht nach klaren Verhältnissen und muss immer wieder erleben, dass man nicht nur macht- sondern auch ahnungslos ist unter den dilemmatischen Bedingungen der Pandemie. Eine Zwangspause würde einem das Gefühl zurückgeben, zu handeln, statt immer nur zu reagieren.

Es ist ein Vorschlag, den der Ex-Intendant der Münchner Kammerspiele Matthias Lilienthal so ähnlich schon im Frühling gemacht hat. Bei einem Gespräch mit der Berliner Zeitung auf dem Tempelhofer Feld. Das Wetter war herrlich. So herrlich, dass man nicht als Erstes darauf kommt, die Zeit im Theater zu verbringen. Außerdem ist es natürlich auch hart für die Schauspieler, in dieser grauen Zeit der Einschränkungen ihren Urlaub nehmen zu müssen und dann im Sommer – möge der Pandemie bis dahin die Luft ausgehen! – zu arbeiten. Ja, schon gut, es gibt Schlimmeres. Aber auch Luxusprobleme sind Probleme.