Das verlängerte Wochenende bietet die Möglichkeit, Frühlingssonne zu genießen. Und wenn es doch regnet? Wir haben ein paar Tipps gesammelt, die sich prima zu Hause ausprobieren lassen, auch noch in der nächsten Woche. 

Online-Zeichenkurs

Über exponentielles Wachstum freut sich die Bundeskunsthalle in Bonn – steil ansteigend ist die Zahl der Menschen, die sich zu den Online-Zeichenkursen anmelden. Zehn bis zwanzig waren es bei den ersten im November, inzwischen sind es bis zu 200. Und längst kommen sie nicht mehr nur aus NRW, neulich malte sogar einer von den USA aus mit. Zweimal die Woche – dienstags von 17 bis 19 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr – bietet die Bundeskunsthalle die Echtzeit-Zeichenkurse via Webex an, zehn Euro kostet die Teilnahme, auf die Anmeldung hin (per Mail: vermittlung@bundeskunsthalle.de) erhält man den Einwahlcode und eine Liste, was man bereitlegen sollte: Bleistifte, Kugelschreiber, wer hat, Kohlestifte, ein Glas mit Wasser, einen Pinsel, Papier aller Art. Inspiriert sind die zweistündigen Workshops von der Max-Klinger-Ausstellung, die gegenwärtig in der Bundeskunsthalle vor sich hindämmert, weil pandemiebedingt sie niemand besuchen kann. „Man muss nicht zeichnen können, man muss nur Lust dazu haben“, sagte Katharina Jahnke, die künstlerische Leiterin, im Dienstagskurs. Während sie etwas über Max Klinger – einem Zeitgenossen Max Liebermanns – erzählt, nimmt der technische Leiter der Kurse, Jens Bohnsack, die Teilnehmer mittels Kamera mit in die Ausstellung. In der ersten Stunde werden schnelle Skizzen von einzelnen Gemälden gemacht, in der zweiten Stunde ist dann etwas mehr Zeit – 30 Minuten etwa für das Klingers Bild „Frühlingsanfang“. Zum Schluss kann, wer mag, sein Ergebnis in die Kamera halten. Susanne Rost

Musik

Balcony’s Paradise ist ein ungewöhnlicher Bandname. Vor allem ein unpraktischer, wenn man über eine Suchmaschine im Internet gefunden werden will. Einmal eingetippt, erscheinen unzählige Einträge zu Balkonen und wie man sie besonders hübsch macht – mit Wolldecken, Kerzen und so weiter. Aber ein Hinweis zu Lorenz O’tool (bekannt durch die Berliner Band Chuckamuck) und Jeremy Tayler, die sich hinter Balcony’s Paradise verbergen, ist dazwischen nicht so schnell zu finden. Also müssen wir an dieser Stelle nachhelfen: Denn der lässige Akustikgitarrensound, den sie auf ihrem gleichnamigen Debütalbum demonstrieren, passt perfekt zum Frühling und zu langen Abenden mit zu viel Alkohol auf dem Balkon. So erklärt sich auch die Namenswahl. Aufgenommen hat das Duo übrigens auf einer Veranda in Australien. Ob sich diese von einem Berliner Mini-Balkon unterscheidet? Hören Sie selbst, liebe Leser und Leserinnen. Balcony’s Paradise: „Balcony’s Paradise“ (Half A Cow Records) ist zwischen 12 und 30 Euro unter https://balconysparadise.bandcamp.com erhältlich. Nadja Dilger

„Smiling With No Teeth“ ist ein schönes Motto für den Corona-Frühling, für eine Zeit, die man aufgrund von zig Regeln nicht wie sonst genießen kann. Alles nicht optimal, aber man kann ja dennoch lächeln und das Beste draus machen, würde Genesis Owusu sagen. Der 23-jährige Musiker aus Ghana hat gerade sein Debütalbum „Smiling With No Teeth“ veröffentlicht. Eine Platte, die mit genau dieser lässigen Haltung spielt. Die Alltagsgeschichten, die er in 15 Liedern erzählt (von Depressionen bis Rassismus) sind zwar teilweise bitter, aber am Ende sieht es Uwusu immer locker. Die Mischung aus HipHop, Funk, Folk, Industrial Beats, Jazz und Punk gibt den Songs dann noch die dazu passende Coolness. Corona-Frühling? Was solls! Genesis Owusu: „Smiling With No Teeth“ (House Anxiety), um die 20 Euro. Nadja Dilger

Podcast

„Baby, Baby, wann heiratest du mich?“, hat er mich immer gefragt. „Am 28.“, hat Christine Westermann immer geantwortet. Ohne Monat, ohne Jahr. „Andreas und ich, das war eine große Liebe. Aber irgendwann war sie vorbei.“ Er war zehn Jahre jünger als sie, es war aber dann Christine Westermann, die an seinem Grab stand. „Ist dir das schon mal passiert, dass du einen Freund verloren hast?“ – „Nee, zum Glück nicht“, antwortet Edin Hasanovic. Und er fragt: „ Wann war das letzte Mal, dass ein Mensch von einem Bekannten zum Freund wurde?“ Die Journalistin Christine Westermann ist 72, der Schauspieler Edin Hasanovic 28 Jahre alt, also 44 Jahre jünger. Nun haben sie zusammen einen Podcast gemacht, „Jung und jünger“ (Audible). Die beiden sprechen über das Leben. Über das, was wichtig ist: Was es bedeutet, glücklich zu sein. Was einen guten Freund ausmacht. Ob Glauben dabei hilft, sich in schwierigen Situationen zurechtzufinden. Jede Folge behandelt ein anderes Thema, und es ist jedes Mal, als würde man einem ganz intimen Gespräch lauschen dürfen. Susanne Lenz

Film

Es gibt einige Filme über die amerikanischen Rapper The Notorious B.I.G. und Tupac. Doch die meisten sind Spielfilme, die das Leben der Rapper illustrieren, ihren schnellen Aufstieg und ihre Ermordung. Die Netflix-Serie „Unsolved“ aus dem Jahr 2018 behandelte sogar die Suche nach ihren Mördern. Die neue Netflix-Dokumentation „Biggie: Das ist meine Geschichte“ beschäftigt sich wiederum sehr genau mit der Person Notorious B.I.G. Mithilfe von alten Videoaufnahmen und Erzählungen von Prominenten wie Sean Combs erhält man einen authentischen Einblick in das Leben von B.I.G. Trotz teils wackeliger Kamera und viel Pathos über den großen Rapper rundet der Film gut die Sammlung an Werken ab. Am besten startet man mit der Doku und schaut sich anschließend die Filme und dann die Serie an. „Biggie: Das ist meine Geschichte“, 97 Minuten, Netflix. Nadja Dilger

Literatur

Der Frauenkampftag steht bevor. Wer vom täglichen Kämpfen und heutigen Demonstrieren nicht zu müde ist, sollte Hedwig Dohm lesen. Die Berlinerin und Frauenrechtlerin der ersten Stunde forderte schon 1873 das Frauenwahlrecht. Es dauerte mehr als 45 Jahre, aber die Einführung des Wahlrechts für Frauen erlebte Dohm noch, ehe sie im Juni 1919 starb. Als Schriftstellerin schrieb sie eigentlich alles: Novellen, Märchen, Romane, Aphorismen, auch Rezensionen und Artikel in Zeitungen, Zeitschriften und Sammelbänden. Bekannt ist sie für ihre scharfsinnigen, aber unterhaltsamen politischen Essays, in denen sie antifeministische Haltungen der damaligen (und heutigen) Zeit mit brillanter Logik widerlegte. Zum ersten Einstieg eignen sich „Die Antifeministen“, eine zeitlose Streitschrift. Beim Lesen werden Ähnlichkeiten zu aktuellen Debatten und antifeministischen Bewegungen in erschreckender Weise deutlich. „Je dringender die Gefahr der Fraueninvasion in das Reich der Männer sich gestaltet, je geharnischter treten ihr die Bedrohten entgegen“, stellte Dohm schon vor über hundert Jahren fest. Gruselig, wie wenig sich geändert hat. Hedwig Dohm: Die Antifeministen. Tredition-Verlag, 148 Seiten, 24,90 Euro. Maxi Beigang