Berlin - Bald ist es geschafft, Friseure öffnen wieder ihre Läden und ein wenig Normalität kehrt ein. Um die Zeit bis dahin gut durchzustehen, haben wir wieder ein paar Tipps gesammelt – spannende Bücher, gute Filme und eindrückliche Musik.

Bücher

Ratgeber verkaufen sich während der Pandemie recht erfolgreich. Die Leute hocken zu Hause und greifen dankbar Hinweise auf, wie sie auf vier Quadratmetern Sport machen können, welche Tricks vom Wohnzimmerkoller ablenken und was man kochen kann, wenn der nächste Restaurantbesuch so fern liegt wie Ostern oder Weihnachten. Das neue Buch der Berliner-Zeitungs-Kolumnistin Ruth Herzberg verleitet mit seinem Titel, es ins Ratgeber-Regal zu stellen: „Wie man mit einem Mann unglücklich wird“. Natürlich nur beim ersten Hinschauen, denn die Vorsilbe „un-“ verdirbt den Anleitungscharakter. Und es ist ohnehin ein Roman. Allerdings schreibt Ruth Herzberg so, dass selbst die plausiblen Ratschläge ihrer Icherzählerin einen Haken haben. Denn deren Bemühungen, den Auserwählten zu halten, laufen samt und sonders ins Leere. Die Tricks reichen vom einfachen Nicht-Anrufen und Keine-Textnachrichten-Schreiben über Sich-mysteriös-Geben oder Sanft-wie-ein-Schaf-Sein bis zu solch überraschenden Szenen: „Er hat mit seiner Mutter telefoniert und ich habe mich dabei an seine Schulter gekuschelt.“ Auf beglückenden, zuweilen rasant beschriebenen Sex folgt gar nichts. Wie aber der Beziehungsaufbau immer wieder scheitert, das liest sich überaus unterhaltsam in vielen bitter-komischen Szenen. Das Buch im Manteltaschenformat vertreibt Wartezeiten unterwegs. Und natürlich kann man es auch gemütlich zu Hause lesen, neben dem Telefon, das sich nicht regt. „Wie man mit einem Mann unglücklich wird“ ist erschienen bei Mikrotext in Berlin (176 Seiten, 14,99 Euro). Cornelia Geißler

Streaming

Natürlich sind die Musketiere kein frischer Erzählstoff, und das gilt auch für die Serie der BBC (2014 bis 2016). Aber die Abenteuer der vier Degen- und Pistolenartisten wird in immerhin drei Staffeln sehr kurzweilig und in opulenter Ausstattung erzählt. Gut aussehende Typen, die selten die Klamotten wechseln, echt starke Frauen und Ryan Gage als Ludwig XIII. Allein wegen ihm lohnt sich die Investition. Bleibt nur noch die Frage, warum man am französischen Hof des 17. Jahrhunderts alle Nachrichten auf Englisch schreibt. Mon Dieu! „Die Musketiere“, bei iTunes, GooglePlay und Amazon. Tobias Miller 

Ich wünschte, es hätte sie in meiner Schulzeit schon gegeben: Die YouTube-Serie DRUCK vom ARD-Format funk. Inspiriert von der norwegischen Jugendserie SKAM, erzählen die bisher sechs Staffeln die Geschichten der Schülerinnen und Schüler eines Berliner Gymnasiums. Die Perspektive wechselt pro Staffel. Alles, was die Bravo meiner Generation in den 90er- und 2000er-Jahren auf der Suche nach Orientierung für das pubertierende Selbst vermasselt hat, ist hier drin: laute, sportliche und kluge Mädchen, weinende Jungs, gut geglückte Outings. Die Protagonistinnen haben Zweifel an ihren Identitäten, die Findungsprozesse sind weder lückenlos noch einfach, aber sie überstehen Streits, Ängste und Verzweiflung, weil sie zu sich und einander stehen. Sie sind solidarisch gegenüber rassistischen Mitschülerinnen und trans-feindlichen Lehrern. Das ist sowohl für die Teens von heute als auch für alle interessant, die sich nach Beweisen sehnen, dass sich die Dinge auch mal zum Besseren wenden. Wem es dann noch nicht reicht, der kann sich auch die Jugend in Norwegen und Frankreich noch ansehen. DRUCK, auf YouTube. Antonia Groß

Hören

„Erst in den frühen Morgenstunden kocht das Sound so richtig. Dann bläst die Windmaschine, dass die Kippen aus den Aschenbechern fliegen. Manchmal taucht David Bowie hier auf, zusammen mit der Transfrau Romy Haag, beide auf Droge. Manchmal geht das Licht an und die Musik aus. Razzia. Alle Besucher müssen dann raus auf die Straße und werden gefilzt.“ Christiane F. war 16, als ein Buch sie schlagartig berühmt machte. „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, geschrieben von den Stern-Redakteuren Kai Hermann und Horst Rieck, dokumentierte das Leben einer drogensüchtigen Jugendlichen in West-Berlin. Bei Audible gibt es nun die Audio-Dokumentation „Das Berlin der Kinder vom Bahnhof Zoo“, in der auch bislang unveröffentlichte Originalaufnahmen der Interviews zwischen Christiane F. und den Stern-Reportern zu hören sind. Man wird zurückversetzt in das West-Berlin der 70er-Jahre, spürt das Lebensgefühl der Party- und Drogenszene. Es  liest die Schauspielerin Bibiana Beglau. Susanne Lenz

Musik

Am vergangenen Mittwoch ist leider viel zu früh die Berliner Künstlerin und Sängerin Françoise Cactus im Alter von 57 Jahren gestorben. Über ihr Bandprojekt Stereo Total, das sie über viele Jahre zusammen mit ihrem Partner Brezel Göring in selten verspielter Eleganz und Leichtigkeit betrieben hat, avancierte Françoise Cactus zum Berliner Undergroundstar. Die enorme Anteilnahme, die der Tod von Françoise Cactus in den letzten Tagen erfahren hat, verrät allerdings auch, wie populär Underground bisweilen sein kann. Françoise Cactus war dabei für viele eine nahbare und zugewandte Freundin, ein Kumpeltyp mit unbändiger Lust, verrückte Sachen auszuprobieren. 

Zu Ehren von Françoise Cactus sendet Radioeins am kommenden Dienstag eine Sondersendung über das Leben und Werk dieser einzigartigen deutsch-französischen Künstlerin, moderiert von ihrem Partner Brezel Göring. Françoise Cactus, Dienstag, 21 Uhr, auf Radioeins. Harry Nutt

Spiele 

Was haben die Begriffe Schule, Netz und Kraft gemein? Auf den ersten Blick natürlich nichts. Auf den zweiten Blick lässt sich mit einiger Kreativität aber eine gemeinsame Klammer finden, die völlig unterschiedliche Begriffe verbinden kann. Beim Spiel „Codenames“ geht es genau darum: 25 Karten mit je einem Wort liegen auf dem Tisch, ein Teil von ihnen ist jeweils einem von zwei konkurrierenden Teams zugeordnet. Welche Karten genau, das wissen nur die jeweiligen Spielleiter der Teams. Mit der Nennung eines einzigen Wortes und der Zahl der Begriffe – für die dieses Wort eine Klammer bilden könnte – versuchen sie ihre Mitspieler auf die richtige Fährte zu locken. „Sportunterricht“ wäre beispielsweise so ein Begriff, der sich mit den eingangs erwähnten Wörtern verbinden ließe. Herausfordernd wird dies aber in dem Moment, in dem mit „Ball“ und „Lauf“ zwei weitere passende Karten auf dem Tisch liegen, die aber dem anderen Team zugeordnet sind. Wer hier falsch tippt, beschert der gegnerischen Mannschaft unverhoffte Punkte – oder gleich den Sieg, denn hinter einer Karte lauert eine Art „schwarzer Peter“, der das Spiel sofort beendet.

Die Suche nach einer möglichst großen Klammer, das Adrenalin beim Tippen und das generelle Rätseln und Kombinieren machen „Codenames“ zu einem vergnüglichen Spiel für bis zu acht Spieler. Das Beste: Es lässt sich sich auch online mit Freunden und Verwandten spielen, mit denen im Lockdown normalerweise kein gemeinsamer Spieleabend am Wohnzimmertisch möglich wäre. „Codenames“ (Czech Games Edition, ca. 19 Euro und online unter codenames.game) Philip Aubreville