Lollapalooza in Berlin! Im September 2015 soll das traditionsreiche US-Festival erstmals auf dem Flughafen Tempelhof stattfinden. Wir sprachen darüber mit dem Festivalgründer Perry Farrell.

Mr. Farrell, nun ist die Katze aus dem Sack: Das Lollapalooza-Festival kommt nach Berlin.

Ist das nicht super? Wir sind alle unglaublich aufgeregt! Es wird das erste Mal sein, dass wir mit dem Festival über den großen Teich kommen. Endlich gibt es ein europäisches Lollapalooza! Wir hatten lange darauf gehofft, in den Staatengibt es uns ja schon über 20 Jahre. In Amerika sind wir die Godfathers der Festivalszene!

War Berlin Ihre erste Wahl?

Es gab mal den Gedanken, nach London zu gehen. Aber irgendwie kam das nie zustande. Im letzten Jahr schlug uns der Promoter, mit dem wir seit vielen Jahren beim Mutterfestival in Chicago zusammenarbeiten, dann Berlin vor. Ich fand die Idee großartig. Berlin selbst hat unglaublich viele tolle Künstler und schätzungsweise 4000 Galerien – dass die Kunstszene so floriert, gibt uns genau das Flair, das ich mir für unser Festival vorstelle, denn es geht nicht nur um Musik, sondern auch um Kunst, Mode und Food. Und nachts geht es dann in den Clubs weiter.

Die ersten Ableger des Festivals haben Sie in Südamerika auf den Weg gebracht.

Ja, und zwar zunächst in Chile, das sich ja erst in den letzten Jahren ökonomisch, politisch und künstlerisch von einer schwierigen Zeit erholt hat. Wir haben 2011 Bands dorthin gebracht, die zuvor noch nie da gespielt hatten. Weil das gut anlief, haben wir unser Portfolio um Orte in Brasilien und Argentinien erweitert. Als wir beim letzten Lollapalooza in Chicago dann Berlin angeboten bekamen, haben wir uns direkt entschlossen, das zu machen.

Einfach so?

Ich habe ein gutes Bauchgefühl. Und ich lebe nach der Auffassung: „Ich will euch, wenn ihr mich wollt!“ Das ist in etwa so, als würde ich mit einer Frau auf ein Date gehen: Sie muss wollen. Diese Einstellung habe ich auch beim Lollapalooza. Wenn ich der Meinung wäre, dass man mich an einem Ort nicht braucht oder liebt, lass ich es. Aber ich sehe ein Bedürfnis nach Liebe in eurer Stadt – die bringen wir mit!

Sie werden also nicht nur den Namen geben, sondern auch sicherstellen, dass die Atmosphäre stimmt?

Wir sind bekannt dafür, dass wir mehr Geld in die Produktion investieren als vermutlich jedes andere Festival, damit Gäste und Bands sich wohl fühlen. Ich bin in die Entwicklung der Marke stark involviert und leidenschaftlicher Botschafter des Festivals. Alles, was den Namen Lollapalooza trägt, muss einen gemeinsamen Kern haben. Jedes Festival, das wir bisher auf den Weg gebracht haben, hat die gleiche Integrität. Da folgen wir ganz dem Brauch des Festivals in Chicago. Das Berliner Lollapalooza wird quasi in eine Familie eingebettet. Was auch bedeutet, dass die Promoter in Berlin in ständigem Austausch mit unserem Produktionsteam in den Staaten stehen werden und unserer Agentur, die die Musiker auswählt und bucht. Das sind die besten in ihrem Business. Aber zur Idee des Festivals gehört auch, dass einiges von der Kultur und den Dingen, die Berlin so einzigartig machen, miteinbezogen wird. Das haben wir in Amerika geschafft, das schaffen wir auch in Berlin.

Haben Sie den Ort, wo das Festival stattfinden soll, selbst inspiziert?

Noch nicht. Ich war bisher drei Mal als Musiker in Berlin. Das letzte Mal ist schon ein paar Jährchen her. Ich habe die Location in Tempelhof also noch nicht gesehen, aber ich weiß, dass es sich dabei um einen sehr alten Flughafen handelt, einer der ersten kommerziellen Flughäfen in der Geschichte, der jüngst in einen Park umgewandelt wurde. Ich bin jedenfalls schon neugierig, mehr darüber zu erfahren.

Werden Sie denn zum Festival im September rüberkommen?

Ja, klar! Ich werde selbstverständlich zugegen sein!

Wer wird denn spielen? Vielleicht Sie selbst mit Ihrer alten Band Jane’s Addiction?

Das wäre fantastisch! Klopf auf Holz, versprechen kann ich es noch nicht, aber wir sind mit Jane’s Addiction inzwischen wieder sehr umtriebig. Ich werde das also anregen. Zum Line-up darf ich noch nichts sagen. Das entscheide auch nicht ich allein, sondern ein Team aus Bookern. Da kommt es oft zu hitzigen Diskussionen.

In den Neunzigern ist das Lollapalooza als Alternative-Rock-Festival angetreten. In diesem Jahr spielten in Chicago auch Künstler wie Eminem, Lorde, Rudimental oder Calvin Harris.

Ich liebe elektronische Acts. Aber das Gleiche gilt für Rockmusik – die muss zurückkommen. Denn deshalb existieren wir heute. Und es spielen auch viele unbekannte Acts bei uns. Mein Bookingteam kommt aus Austin, Texas. Das Gebiet ist nicht zuletzt wegen des „South-by-Southwest“-Showcase-Festivals bekannt für seine großartige Livemusik-Szene. Wir gucken uns die ganzen Acts dort an – auch ich! Und mit dem Wissen stellen wir das Band-Line-up für das Lollapalooza zusammen. Meine Ambition hat sich also ein bisschen verändert: Ich möchte den vielversprechendsten, jungen Künstlern zum Durchbruch verhelfen, aber auch die Vergangenheit nicht ganz vernachlässigen.

Sogar die „Simpsons“ haben Ihrem Festival mal eine Folge gewidmet!

Ja, die berühmte „Homerpalooza“-Folge, in der Homer seine Jugend wiederbelebt und dann mit Rockstars wie den Smashing Pumpkins abhängt. Die hat übrigens auch dazu beigetragen, dass in Amerika seither immer wieder neue Wortschöpfungen mit der Endung Palooza entstehen. Früher riefen mich deswegen noch tagtäglich meine Anwälte an, heute freut es meine Frau, mich und eigentlich jeden in unserem Büro, wenn uns wieder eine neue, witzige Wortkreation zu Ohren kommt. Es hat Einzug gehalten in die amerikanische Sprache. Das ist schmeichelhaft und die schönste Werbung.

Das Gespräch führte Katja Schwemmers.