Gefangen fürs Leben: Lolle (Felicitas Woll) heiratet.
Foto: Constantin Film/Stefan Erhard

BerlinIm Park am Schloss Charlottenburg will Lolle (Felicitas Woll) sich endlich mit ihrem langjährigen Freund Hart (Matthias Klimsa) trauen lassen. Da braust auf einem Motorrad Sven (Jan Sosniok) herbei – Lolles Cousin und früherer Geliebter. Auch er will Lolle plötzlich heiraten. Das Chaos ist perfekt, die Braut flüchtet. 

Die Filmfortsetzung von „Berlin, Berlin“ spielt die Dreierkonstellation aus der ARD-Serie weiter. Ab 2002 liefen vier Staffeln mit Geschichten um Lolle, die nach dem Abi nach Berlin kommt, sich nie entscheiden kann, wen sie gerade liebt,  ihrem Traum von der Trickfilmzeichnerin allerdings immer näher kommt. Die Vorabendserie war damals erfrischend anders: Berlin bot für junge Zuzügler noch viel Platz für  Träume, die Serie mixte Realfilm und Animation, und Felicitas Woll entwickelte sich wie auch ihre Rolle immer weiter. Mit „Berlin, Berlin“ gewann die ARD nicht nur ein junges Publikum, sondern auch diverse Preise, als erste deutsche Serie sogar den Emmy.  

Der Trailer zu „Berlin, Berlin“ - der Kinofilm.

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Die seit langem angekündigte Fortsetzung im Spielfilmformat aber wurde immer wieder verschoben und sollte nun Ende März ins Kino kommen – da waren die Kinos schon geschlossen. Schließlich griff Netflix zu und zeigt den Film nun im Streaming. Die Geschichte baut zuerst auf den Klassentreffen-Effekt: Alle sind 15 Jahre älter geworden, haben aber noch dieselben Macken. Auch hinter der Kamera fand sich die Crew von damals zusammen: Serienerfinder David Safier schrieb das Drehbuch, gemeinsam mit seinem Sohn Ben, Regie führte Franziska Meyer Price.

Der Kinofilm will dem Publikum nun unbedingt ein Spektakel bieten, alles zwei Nummern größer – und vergisst dabei das eigentliche Motto „Berlin, Berlin“. Lolle steht nach ihrer Flucht quer durch Berlin noch im Hochzeitskleid vor einem Richter (Detlev Buck), der die Trickfilmproduzentin zu Sozialarbeit in einer Schule verdonnert. Hier trifft Lolle auf Dana (Janina Uhse), die so alt ist wie Lolle einst. Die beiden Frauen schleudert es nach einer wilden Clubnacht aus Berlin heraus.

So spielen große Teile des konfusen Roadmovies im östlichen Westharz, wo Lolle und Dana auf abgewrackte Drogen-Pfuscher, einen Braunbären und eine esoterische Sekte treffen – und man befürchten muss, dass der Kinofilm nur den Fördermitteln aus Niedersachsen hinterher gereist ist. Manche Szenen sind comicartig überhöht, diesmal peppen 3D-Animationen die Bilder auf. Zu vieles aber endet in altbackenem Klamauk. Lolles Männer werden dabei zu Deppen, die immer zu spät erscheinen, wenn es drauf ankommt. Die Heldin selbst klopft noch die Sprüche von einst – 15 Jahre später hätte man ihr mehr zugetraut. Die Übernahme durch Netflix hat aber einen positiven Effekt für alle, die noch mal in die Serie hineinsehen wollen oder sie jetzt neu entdecken: Neben dem Kinofilm stehen sämtliche 86 Folgen zum Abruf bereit.

„Berlin, Berlin“

Der aktuelle Kinofilm sowie alle 86 Folgen der ARD-Serie: Jetzt auf Netflix.