Mit rund 4,8 Millionen Euro (inklusive Aufpreis) für das Ölgemälde „Lucrezia“ erzielte die Künstlerin Artemisia Gentileschi Künstlerin nun in Paris einen Rekord.
Foto: Maximilien Photography/Artcurial/dpa

ParisDer Kunstmarkt ist ganz aus dem Häuschen: Das Bildnis „Lucrezia“ der Barockmalerin Artemisia Gentileschi (1593-1653)   erzielte vor zwei Tagen mit fast fünf Millionen Euro in Paris einen Auktionsrekord. Eine sinnliche Frau, die vor der entblößten Brust drohend ein Messer hält. Eine Unheilige aus der römischen Mythologie, die sich männlichem Willen nicht beugen mochte und auf Gewalt selbst mit Gewalt antwortete.

Taxiert war das Gemälde auf einen Schätzwert zwischen 600.000 und 800000 Euro. Das Auktionshaus Artcurial berichtet von einer wahren „Versteigerungsschlacht. Der glückliche neue Besitzer ist ein namentlich ungenannter europäischer Sammler.

Ganze dreihundert Jahre hatte es gedauert, bis die geniale Artemisia Gentileschi als Malerin anerkannt wurde. Erst 1916 widmete ihr der italienische Kunsthistoriker Roberto Longhi eine gebührende Studie – und kam zu dem Fazit, dass diese Ausnahmeerscheinung „die einzige Frau Italiens war, die je gewusst hatte, was Malerei und Farben sind.“

Eine große Meisterin des 17. Jahrhunderts

Wohlgemerkt, es war eine Zeit, in der das Kunstschaffen den Männern vorbehalten, die Ausbildung in Malerei oder Bildhauerei dem „schönen schwachen Geschlecht“ unmöglich war. Und doch wurde Genteleschi eine große Meisterin des 17. Jahrhunderts, gar Begründerin des „napoletanischen Caravaggismus“. Ihre Gemälde werden heute verglichen mit Zeitgenossen wie Vermeer und van Dyck. Es ist nicht das erste Mal, dass die in Rom geborene Barockmalerin, Tochter des Malers Orazio Gentileschi, der ihr die Ausbildung – zusammen mit ihren drei Brüdern – zukommen ließ, für Aufsehen sorgte. Schon deshalb weil sie mit Neun zehn im Mittelpunkt eines für die schlimmen Vergewaltigungsprozesses gegen den Kollegen ihres Vaters und ihres Lehrmeister Agostino Tassi stand, der aber nicht belangt wurde.

Ihre Begabung war schon frühzeitig nicht zu übersehen. Aber künstlerischer Ruhm kam nur männlichen Künstlern zu, zumal führe sie den Pinsel nicht zart und sanftmütig wie eine Frau, sondern mit Kraft, Schwung und Drastik der Körperdarstellungen. Ohne Pathos und Idealisierung. Als Gipfel dieser weiblichen Unbotmäßigkeit sahen ihre Zeitgenossen das Gemälde „Judith enthauptet Holofernes“ an .

„Heilige Katharina von Alexandria“ erzielte 2,3 Millionen Euro

Aber sie setzte sich durch, selbst der toskanische Großherzog Cosimo II ließ bei ihr arbeiten, und die Accademia dei Disegni nahm sie schließlich, das war aber die große Ausnahme, als erste Frau auf.

Schon im Dezember 2017 waren bei einer Versteigerung in Paris rund 2,3 Millionen Euro für Gentileschis „Heilige Katharina von Alexandria“ gezahlt worden. Überliefert sind von ihr nur 60 Bilder, selten kommen welche auf den Markt. Das treibt den Preis.