So charmant ihr Debüt vor gut sechs Jahren klang, so wenig hätte man erwartet, dass aus der damals 21-jährigen Lykke Li mal eine solide, ambitionierte Sängerin werden würde. Mit knapp dem Teenage entwachsenen, niedlichen Elektrostücklein wie „Little Bit“ und ein paar schicken Remixen kreiselte die Schwedin zwar ein bisschen durch Jugendradios, Vampirserien und Clubs, aber am Ende handelte es sich bei ihren Songs eben doch nur um kleine „Youth Novels“, wie sie ihr Debüt 2008 taufte. Mit dem Nachfolgealbum „Wounded Rhymes“ änderten sich sowohl Tonlage wie Rotationssphäre gründlich. Sie hatte es in den USA in reduzierter Produktion aufgenommen, erzählte von Joni Mitchell und Neil Young und zielte mit Nummern wie „I Follow Rivers“ aufs Terrain zeitlos umsichtigen Songschreiber-Handwerks.

„I Never Learn“ behauptet sie nun im Titel ihres dritten Albums, das wiederum, heißt es, eine Jugendtrilogie beende. Und hallo, ist die erwachsen geworden. Inhaltlich erkennt man es in Trüb- und Bitternis. Wo auf dem Debüt noch die wechselvolle Unsicherheit erwachender Jugendblüte krähte und das zweite – so damals ein Kritiker – immerhin noch von „leidenschaftlicher Liebe, tollem Sex und seltsamen Tanzbewegungen“ erzählte, drehen sich die Titel nun um Themenkomplexe wie „Never Gonna Love Again“, „Sleeping Alone“ und „Heart of Steel“: Zu einem Stück, das aus einer vergangenen Beziehung entstand, erklärt sie „dass ich mich schuldig bekenne – aber letzten Endes meine ich damit uns alle.“

Das ist viel Last für schmale Schultern, weshalb sie auch ästhetisch aufrüsten musste: „Jeder Song ist eine Power-Ballade“, sagt sie. Glücklicherweise klingt das drohender, als es ausgeführt wurde. Zwar entwickeln sich die Stücke fast durchweg aus zwei, drei mollbegründeten Akkorden von Klavier oder Schrummelgitarre unter Trommelpochen zu wuchtigen, am Ende gern etwas trotzigen Liedern voll Streichern, schwer identifizierbarem Instrumentendickicht und zum Chor angedicktem Gesang. Aber in Stimmung, Rhythmus und vor allem ihrer hellen, von der Gestalt her im Grunde optimistischen Stimme bezieht sie sich doch eher aufs hymnische Handwerk der Sechziger-Girlgroup-Großproduktionen aus ihrer Wahlheimat Los Angeles. Und über diese leichte Retrospur erkennt man weit hinten noch eine gewisse, angenehme Nähe zu aktuell verhangenen und verhallten Verfahren. Soundverantwortlich ist dabei neben dem Allroundproduzenten Greg Kurstin (Pink, Lily Allen, Ellie Goulding) wie seit Beginn Björn Yttrling, ein Drittel der Folkpopper Peter Björn and John, die vor längerer Zeit mit dem freundlich pfeifenden „Young Folks“ einen Sommer-Hit hatten.

Das Problem von „I Never Learn“ liegt daher mehr in der Monochromie von Aufbau, Tempo und Arrangement, die auch die eingängigeren Melodien belegt. Die gibt es nämlich durchaus, und sie lassen sich bestimmt vorteilhaft in ein weniger ergrautes Live-Set einfügen.

Lykke Li: I Never Learn (Warner);

Konzert: 29.4., 21 Uhr, Astra