Selten hört man Neuigkeiten aus Monte Carlo. Vielleicht ist das elegante Spielerparadies ja wegen seiner gediegenen Ruhe ein so beliebter Zufluchtsort für Kino-Serienhelden: Den Käfer „Herbie“ verschlug es in seinem dritten Filmabenteuer an die Riviera, „Iron Man“ in seinem zweiten, ebenso wie die Truppe aus „Ocean’s Eleven“. Nun entern die Pinguine von „Madagascar 3“ ein schäbiges Flugzeug in Richtung Monaco und lassen den Rest der tierischen Truppe in der Wildnis zurück. Ganz so, als langweilten sich die gesprächigen New Yorker Zootiere nicht ohnehin fast überall jenseits des Central Park.

Also nichts wie hinterher. Auf die berechtigte Frage seiner Freunde, wie denn ein Zebra, eine Giraffe, ein Nilpferd und ein Löwe unbemerkt dahin kommen sollten, antwortet letzterer gelassen: „Aber wir sind doch wir! Monte Carlo ist nur einen Hüpfer, einen Sprung und einen Schwimmzug entfernt.“ Diese Erklärung muss auch uns Zuschauern genügen, wenn wir die Biester gleich in der nächsten Szene aus dem Mittelmeer steigen sehen. Wenn Trickfilme so einfach zu erzählen sind, so fragt man sich, warum ist dann immer vom unermüdlichen Fleiß der Animationsbranche zu lesen?

Aber gehüpft wie gesprungen, Hauptsache sie sind da. Umso mühseliger wird es nun, vier kriminell veranlagte Pinguine wieder aus einem Spielcasino herauszuholen. Der Löwe seilt sich über dem Roulette-Tisch ab, nur um vom Partner der Pinguine, einem Schimpansen in Verkleidung, an einen weiteren Film erinnert zu werden, der in Monte Carlo spielte: „Was gibt’s Neues, Pussycat“.

Dreamworks: am Ende immer ein Millionenerfolg

Wie bei allen Filmen dieser „Madagascar“-Kinoserie muss man sich fragen, was zuerst da war: die kalauernden Tiere oder die tierischen Kalauer. Und ob es den Filmemachern noch dazu um etwas anderes geht. Denn alles, wovon diese Filmgattung sonst lebt – selbst die Märchenparodien von „Shrek“ haben es –, fehlt in Madagascar: visuelle Erfindung; originelle Überzeichnung; von Herz und Gefühl wollen wir gar nicht erst reden. Es gibt etwas Action, das sei hier eingestanden. Aber ist es schon Spielverderberei, wenn man wenigstens das Warum und Wie erfahren möchte? Nirgends in der Filmbranche macht man sich das Geschichtenerzählen so einfach wie in der Dreamworks-Trickfilmschmiede – und kommt dann doch immer wieder zu Millionenerfolgen.

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Auch in „Madagascar 3“ wollen also ein paar Tiere wieder irgendwo hin, und sie reden sehr viel darüber. Am besten zurück in den Zoo nach New York, so gut kennen wir sie ja inzwischen. Doch warum der Rückweg so viel mühsamer sein soll als der Hinweg, das wissen wohl nur die drei Regisseure Eric Darnell, Tom McGrath und Conrad Vernon. Ihre einfache Lösung für die tierische Odyssee durch die Menschenwelt sieht so aus: Sie lassen die Viecher einfach bei einem Wanderzirkus untertauchen. Das gibt dann immerhin doch noch Gelegenheit zu ein paar sehr schönen Slapstick-Einlagen – wie jener Szene vom ehrgeizigen Tiger und gewesenen Zirkusstar, der durch immer kleinere Reifen springt und dabei stetig berühmter wird. Schließlich springt der Tiger durch ein Reifchen von der Größe eines Fingerrings. Es ist sein größter Triumph! Seine Karriere endet erst, als er diesen Reifen auch noch anzündet und sich sein schönes Fell versengt.

Wie lässt sich dagegen wohl diese Filmserie steigern? „Madagascar 3“ zeigt die tierische Truppe, vor allem aber ihre Macher, nahezu am Ende ihrer Weisheit.

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Madagascar 3 – Flucht durch Europa USA 2012. 94 Minuten, Farbe. FSK o. A.