Donald Trump hält Brüssel für ein schönes Land, vergisst, Angela Merkel die Hand zu reichen, lädt sich beim Diktator Kim Jong-Un persönlich ein, setzt einen Raketenangriff in Syrien in Gang, das er in Interviews immer wieder mit dem Irak verwechselt. Nach 100 Tagen im Amt gesteht der Präsident nun selbst ein: „Ich hatte mir das alles einfacher vorgestellt.“

Man könnte auch sagen: Seit 100 Tagen regiert im Weißen Haus der Dilettantismus. Ein Mann im mächtigsten Amt des Welt, der so gut wie keine Ahnung davon hat, was er eigentlich macht. Doch das demokratische Gerüst der USA scheint auch einen seiner ungeeignetsten Bürger an der Staatsspitze auszuhalten – der Zusammenbruch blieb bisher aus.

Donald Trumps Reformpläne vom Muslim Ban bis zur Abschaffung von Obamacare wurden von Kongress und Justiz erfolgreich verhindert. Alles also nur halb so schlimm, wenn die Rechtspopulisten an die Regierung kommen?

Roger Köppel nervt

„Trump, Le Pen & Co: Sind die Nationalisten entzaubert?“, hieß die Titelfrage bei Sandra Maischberger und führte zu durchaus unterhaltsamen und aufschlussreichen 75 Minuten am Mittwochabend.

Bester und nervigster Gast zugleich: Roger Köppel. Der Schweizer Politiker und Publizist konnte als einziger Trump-Verteidiger in der Runde keinen Blumentopf gewinnen, sorgte aber immerhin dafür, dass die anderen Teilnehmer pointiert genau argumentieren mussten, und sich direkt jeden Gegenargumenten stellten.

Die öffentliche Diskussion in Deutschland über Trump empfindet Köppel als Zumutung: „Sie sind hier alle auf dem Anti-Trump-Hype.“ Vieles vom neuen US-Präsidenten finde er zwar nicht gut, aber insgesamt sei er „viel pragmatischer“, als er in den deutschen Medien beschrieben werde. Über die eine oder andere Verdrehung der Tatsachen musste der Provokateur aus der Schweiz schließlich selbst schmunzeln.

Diskussion über Trump-Cover des „Spiegel“

Besonders kritisiert Köppel das „Spiegel“-Cover nach der US-Wahl, auf dem eine Karikatur Trumps der Freiheitsstatue den Kopf abschlägt. „Trump ist nicht der Weltverschlinger, für den ihr ihn haltet.“ Dabei, so erklärt es „Spiegel“-Autor Markus Feldkirchen, sei das Cover vor allem symbolisch gemeint gewesen: Die Statue stehe für die Geschichte Amerikas, der liberalen Demokratie, die Migranten, den Armen und Geknechteten der Welt, die Zuflucht ermöglichte. Genau davon wolle Trump abrücken.