Den Widerspruch zwischen sinkenden Fallzahlen in aktuellen Kriminalitätsstatistiken und einer subjektiv unter den Menschen des Landes gestiegenen Angst, konnten Gastgeberin Sandra Maischberger und die sechs Gäste am Mittwochabend in der ARD letztlich nur feststellen, jedoch nicht auflösen. Nicht die erste Gesprächsrunde zum Thema, seit die innere Sicherheit unter anderem nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht 2015 am Kölner Hauptbahnhof zuletzt auch den Bundestagswahlkampf in Deutschland prägte.

Für die Sendung rückte erneut Köln als Negativbeispiel für die Fragestellung der Moderatorin in den Fokus, veranschaulicht am Ebertplatz, der im vergangenen Herbst nach häufigen Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Dealer-Banden schließlich sogar auch zum Schauplatz eines Tötungsdelikts geworden war. Als Gast war darum Hayko Migirdicyan eingeladen, langjähriger Betreiber eines Kiosk nahe der Bahnstation am Rand des Platzes. Er sollte von seinen Erfahrungen aus dem Alltag an diesem „gefährlichen Ort“, wie auch die Stadt Köln den Ebertplatz offiziell bezeichnete, berichten.

Zu Beginn der Sendung verteidigte allerdings der 25-jährige Bundestagsabgeordnete der CDU, Philipp Amthor, zunächst eifrig die kritisierte jüngste Argumentation des Parteikollegen und neuen Gesundheitsministers Jens Spahn aus einem Interview, wonach der Staat in den vergangenen Jahren nicht mehr ausreichend für Recht und Ordnung gesorgt habe. Er würde häufig von Bürgern angesprochen, so Amthor, die einen Zustand der Schwäche bei Polizei und Justiz bemängelten. Er forderte, „alles Notwendige zu tun, um Recht und Gesetz wieder schneller und besser umzusetzen“. Dabei dürfe es keine Ausnahmen geben.

Forderungen, die ein schwer greifbares aber unberechtigtes Angstgefühl vieler Menschen nur unnötig bestärken würde, entgegnete der ehemalige FDP-Innenminister Gerhart Baum (FDP). „Es gib keinen rechtsfreien Orte in Deutschland“, sagte er. Vielmehr sei die Politik gefordert, Wege zu finden, die Verwahrlosung einzelner Bereiche in Städten aufzuhalten. Aussagen wie die Spahns oder Amthors böten dagegen keine echten Lösungsansätze, sie schürten Angstgefühle der Menschen.