Neo Rauch vor seinem Gemälde „Wächter der Nacht“.
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LeipzigDer Leipziger Neo Rauch, einer der höchstgehandelten Maler der Gegenwart, wird am 18. April 60 Jahre alt. Zu diesem Anlass wollte seine Heimatstadt dem Bundesverdienstkreuzträger eine Retrospektive ausrichten. Mit Schwerpunkt auf den frühen Arbeiten. Leipzigs Museum der Bildenden Künste hatte sich auf diese weitgehend unbekannte Phase - nach Meinung der Kuratoren der Schlüssel zu Rauchs heutigem Erfolg -konzentriert. Doch der schlägt das Angebot aus und verschiebt diese Musealisierung um zehn Jahre. 

Des Malers Argument: Die Vergangenheit sitze ihm noch zu sehr im Nacken. Er sei noch nicht altersmilde genug, um seine frühen Bilder zu zeigen, jene, die zurückgehen an den „Nullpunkt“ zwischen 1990 und 1995. Das war die Zeit, als der globale Kunstmarkt ihn noch nicht im Auge hatte und niemand im Osten für möglich hielt, dass im Jahr 2019 ein Gemälde des Leipzigers für eine Million Euro bei Sotheby’s unter den Hammer kommen würde. Ist Neo Rauch sein Frühwerk, das noch neoexpressiv geartet ist, vielleicht peinlich?

Er malt ohne Vorzeichnung und mit derbem Handschuh

Heute gründet er seinen Ruhm auf das Erzählen seltsam altertümlicher, surrealer und auch privat geprägter Bildgeschichten mit wie aus der Zeit gefallener Figuren-Landschafts-Metaphorik. Gerade in Übersee schwärmen Sammler für Rauchs rätselhafte Bildwelt, für diesen bangen Blick aufs Weltgeschehen, das er ohne Vorzeichnung und mit derbem Arbeitshandschuh auf die Leinwand setzt. Seine Methode, um nicht in jene feinmalerische Lasurtechnik der „alten Leipziger Schule“ zu verfallen.

Rauch, hervorgegangen aus dem Mikrokosmos der untergegangenen DDR, der aus seiner wertkonservativen Einstellung zu gesellschaftlichen Vorgängen keinen Hehl macht und den Neider deshalb absurderweise in die rechte Ecke stellen wollen, ist einer, der sich als Einzelgänger stilisiert und sich jeder Einordnung entzieht. Auch der durch runde Geburtstage.