Am Ende des Hollywood-Blockbusters „Man of Steel“ kämpfen zwei genau gleich starke Helden gegeneinander. Und das kann dauern! Die boxen sich nämlich nicht nur gegenseitig die nächste Hochhausfassade empor – und lassen dabei keine Fensterscheibe heil –, sondern fliegen gleich zum nächsten Satelliten in die Umlaufbahn – dessen Solarflügel danach natürlich auch geknickt und traurig herabhängen. Die Gesichtsausdrücke dabei sind furchteinflößend in ihrer Entschlossenheit, den anderen zu Klump zu hauen. Wie wird der Kampf zwischen Superman und dem bösen General Zord wohl ausgehen? Wie auch immer: Der Zuschauer bricht als Erster zusammen unter dem schier endlosen Getöse.

„Man of Steel“ ist ein Film von Zack Snyder. Der Mann ist vermutlich der verrückteste Regisseur, der in Hollywood frei herumläuft. Ein begnadeter Handwerker, der über weite Strecken die tollsten Bilder schafft und dann wieder sequenzenlang ohne jede Fantasie agiert; ein gierig am Pop lutschendes Kind, das arglos und schmerzfrei zwischen Kitsch und Faschismus umhertaumelt – was man natürlich in Deutschland empfindlicher wahrnimmt als anderswo. Schöne Filme wie das Romero-Remake „Dawn of the Dead“ oder die Eulen-Animation „Legende der Wächter“ gehen genau so auf Zack Snyders Konto wie der primitive Reißer „300“ oder die mühsame Comic-Adaption „The Watchmen“. Dennoch bleibt auch von seinen fragwürdigsten Filmen immer etwas beim Betrachter hängen: eine infantile Geilheit auf Bilder von Krieg, Kampf und Chaos, deren intensiver Sog die dramaturgischen Gerüste mit sich reißt.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.