Potsdam/Berlin - Butzmann ist kein Plakatmacher der sanften Tour. Seine Poster und politischen Grafiken waren schon immer starker Tobak im Sinne John Heartfields, der Herrschende wie Spießer ärgerte. Butzmanns neueste Provokation ist ein Archivfoto aus dem Jahre 1943. Zu sehen ist ein Ulanen-Kavallerie-Regiment der Wehrmacht auf der Treppe vor dem Schloss Sanssouci, was ja bekanntlich „Ohne Sorge“ heißt. Pyramidenhaft ausgerichtet, blicken die Porträtierten ins Objektiv des unbekannten Fotografen. Lakonisch hat der Grafiker den derzeit so aktuellen Imperativ „ABSTAND HALTEN!“ ins historische Motiv einmontiert. 

Wem das zu unverständlich ist, kann sich von Butzmanns altem Freund, dem Dichter Jürgen Rennert auf die Sprünge helfen lassen mit dessen ebenso lakonischen Versen zum beredten Motiv: „Ohne Sorgen Hofft das Regiment auf Morgen. Pyramidisch ausgerichtet, Wird es Mann um Mann belichtet. Kriege sind die Pandemien Virushafter Phantasien, Säbelrasselnd zwingen sie Alle Feinde in die Knie. Steigt die Zahl der Inzidenzen, Geht's zurück an eigne Grenzen. Sondermeldung: Pyrrhussiege! Abstand halten, gilt im Kriege Nichts mehr. Und auch alles Lüften Treibt nur Moder aus den Grüften. Abstand halten! (Später Rat: Unterm Bild steht Stalingrad.)“

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