Wann schmeißt RTL den schlüpfrigen Schreyl raus?, fragte im April vergangenen Jahres die bekanntlich jede Schlüpfrigkeit unerbittlich verfolgende Bild-Zeitung. Damals mokierte sich das Blatt über angeblich „schmuddelige Zoten“, die der DSDS-Moderator reiße, und zwar „eine nach der anderen“ und obwohl „viele sehr junge Fans“ die Castingshow ansehen. „Riesen-Ärger“ habe es gegeben, schrieb die Bild, weil es eine Nummer kleiner in so einem Fall natürlich nicht geht.

Die um das Wohl der Jugend so besorgte Zeitung musste kaum länger als ein Jahr warten, bis sie am Freitag auf der Titelseite schließlich verkünden durfte: „Schreyl raus!“ Nicht gleich ganz bei RTL zwar und auch nicht wegen irgendwelcher Zoten, aber doch beim „Supertalent“, dessen nächste Staffel im Herbst startet, und auch bei „Deutschland sucht den Superstar“, das RTL gründlich überarbeitet im kommenden Jahr neu auflegen will.

Das „Supertalent“ wird künftig Schreyls bisheriger Co-Moderator Daniel Hartwich allein präsentieren, nachdem die Jurybesetzung schon gründlich umgekrempelt wurde. Thomas Gottschalk und seine einstige „Wetten, dass..?“-Assistentin Michelle Hunziker werden demnächst an der Seite von Dieter Bohlen über die Kandidaten richten. Welche Veränderungen bei DSDS geplant sind, hält RTL bislang noch geheim. Vielleicht ist es aber gar nicht so abwegig, daran zu erinnern, wer vor Marco Schreyl die Castingshow moderiert hat: Michelle Hunziker.

Spannungen zwischen Bohlen und Schreyl

Marco Schreyl ist 2005 vom ZDF zu der Castingshow gekommen. Von der dritten Staffel an moderierte er alle Live-Sendungen, die sogenannten Mottoshows, durch. 2007 hat ihm RTL auch die Präsentation von „Das Supertalent“ übertragen. Beide Formate werden von Dieter Bohlen dominiert, dessen auch nicht immer ganz stubenreine Sprüche schon öfter in der Bild-Zeitung zu lesen waren. Angeblich soll es Spannungen zwischen Schreyl und Bohlen geben. In einer Sendung vor zwei Jahren reagierte Bohlen zum Beispiel sehr genervt auf Schreyls Fragen nach einer anstehenden Hochzeit.

„Soll Marco doch mal Fragen zu seinem Privatleben beantworten“, giftete Bohlen in der Bild. „Man hört da ja so einiges. Soll er mir seine Freundin mal zeigen.“ – Anspielungen auf Schreyls sexuelle Orientierung. Bohlen hat der Bild-Zeitung jetzt gesagt, dass er nichts damit zu tun habe, dass Schreyl die beiden Castingformate nicht mehr moderieren darf.

Vielleicht will er ja nicht mehr?

Aber wieso eigentlich „darf“? Vielleicht ist es ja so, dass Schreyl nicht mehr wollte. Schon vor einem Jahr erklärte er, dass er nicht ewig bei DSDS bleiben wolle. Ihm schwebe etwas Journalistisches vor, etwas mit mehr Tiefgang. 2007 sagte er bereits, er könne sich die Moderation einer Frühstückssendung nach dem Vorbild der „Today Show“ in den USA vorstellen.

Und was wenige Fernsehzuschauer wissen: Im Radioprogramm HR1 des Hessischen Rundfunks hat Schreyl eine Sendung, in der er – ganz journalistisch – Prominente befragt. Mit RTL hat Schreyl eigenen Angaben zufolge einen langfristigen Vertrag. Der Sender betont, man rede derzeit mit Schreyl über „die Zusammenarbeit in anderen Programm- und Showgenres“.