Wie aus dem Gesicht geschnitten – so lautet die Redensart, die sich in Margarethe von Trottas neuem Film zu einem familiären Menetekel auswächst. Rein zufällig stößt Paul im Internet auf das Bild einer US-amerikanischen Operndiva, die seiner verstorbenen Frau bis aufs Haar gleicht. Fortan geistert sie durch seine Träume – ist es die Sängerin, ist es die Tote, die ihm den Schlaf raubt? Um Klarheit zu gewinnen, schickt Paul seine Tochter Sophie nach New York, die sich zunächst sträubt, dann aber mit detektivischem Eifer in Familiengeheimnissen wühlt.

Dass Margarethe von Trotta solche Geheimnisse liebt, hat sie bereits mit dem Film „Die bleierne Zeit“ gezeigt, der ihr 1981 den internationalen Durchbruch und einen Goldenen Löwen in Venedig bescherte. Auch in diesem Film blickt sie hinter die bürgerliche Fassade einer Familie, in diesem Fall die der Pfarrerstöchter Christiane und Gudrun Ensslin, um von dort aus in die Irritationen der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft vorzustoßen. So dezidiert politisch ist „Die abhandene Welt“ nicht. Hier sind es eher seelische Abgründe, die von Trotta auf vielfältige Weise und auf den Spuren der investigativ entflammten Sophie durchaus spannungsvoll auslotet.

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