Maria Schrader
Foto:  Benjamin Pritzkuleit

Nein, sie ist keine Jüdin, auch wenn sie oft für eine gehalten wird: wegen der dunklen Augen, der lockigen Haare, wegen ihrer engen Beziehung zu Dani Levy, vor allem aber wegen der Themen ihrer Rollen und Filme. Maria Schrader spielte die Jüdin Felice Schragenheim in „Aimee & Jaguar“ und Lena Katz in „Meschugge“, sie verfilmte Zeruya Shalevs „Liebesleben“, Stefan Zweigs Jahre im Exil und nun, als Krönung in mehrfacher Hinsicht: „Unorthodox“, das  Schicksal einer ultraorthodoxen Jüdin, die aus ihrer Gemeinde in Brooklyn flieht. Die Netflix-Miniserie ist angelehnt an das gleichnamige Buch von Deborah Feldman, die heute mit ihrem Sohn in Berlin lebt.

Sonntagnacht wurde Maria Schrader für „Unorthodox“ mit dem Emmy in der Kategorie „Beste Regie einer Miniserie“ ausgezeichnet. Coronabedingt konnte sie den Preis nicht in Los Angeles in Empfang nehmen, sondern war aus dem Hotel de Rome live aus Berlin zugeschaltet. Sie ist die erste Deutsche, die diesen Preis gewinnt.

Maria Schrader ist 54, sie kommt aus Hannover, ihre Eltern waren Künstler, Hippies, deren größte Sorge es war, „dass ich Ehefrau und Mutter werden könnte“, das Gegenteil von Orthodoxie. Auf die Frage nach ihrem Bezug zu jüdischen Themen erzählte sie im März dieses Jahres im Interview mit der Berliner Zeitung von einer Reise als Jugendliche nach Jerusalem und von ihren ersten Begegnungen mit strenggläubigen Juden in Brooklyn. Sie habe Teenager-Töchter kennengelernt, die noch nie in ihrem Leben einen Film gesehen hatten. Diese völlig andere Art zu leben habe sie fasziniert. Vor allem die weibliche Perspektive.

„Ich weiß noch, wie ich das Foto von Deborahs Hochzeit zum ersten Mal sah. Die Braut ist mit einem Schleier bedeckt, durch den sie nichts sehen kann, wird an beiden Händen zum Baldachin geführt. Es steckt so viel in diesem Bild, Verheißung, Geheimnis, Vertrauen, genauso wie Fremdbestimmung, Zwang und Verbot.“ Maria Schrader sagt, in diesem Moment habe sie sich den Film das erste Mal vorstellen können, seine „visuelle Kraft“.

„Unorthodox“ ist nicht nur Maria Schraders erste Fernsehserie, sondern ihre erste TV-Produktion überhaupt. Damals beim Gespräch zu Beginn der Corona-Zeit spürte man ihre Enttäuschung, dass die Premiere in Frankreich und alle Festivals abgesagt worden waren. Alles war plötzlich anders, aber für Serienregisseure wie sie nicht unbedingt schlechter. Als Emmy-Moderator Billy Bush Maria Schrader per Videoübertragung fragte, wie sie sich fühle, stockte sie, als fehlten ihr die Worte. Dann sagte sie, sie sei total überwältigt, sie habe nicht mit diesem Preis gerechnet.