Willkommen zu Teil zwei der Soap „Piratinnen machen Erfahrungen mit dem real existierenden Urheberrecht“.

Die Darstellerin des ersten Teils hieß Julia Schramm, 26 Jahre alt. Wie alle Piratinnen hatte auch sie das Mantra der Partei verinnerlicht: Geistiges Eigentum ist böse. „Das ist das Widerliche an dem Begriff [des geistigen Eigentums]: Dieser Begriff wird genutzt, um Immaterialgüter auf Grundrechtsniveau zu heben. Und das ist ein Problem“, sagte Schramm Anfang des Jahres in einem Interview.

Wenige Monate darauf veröffentlichte Schramm selbst ein Buch mit dem Titel „Klick mich – Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin“. So laut wie der Titel, so laut war das Echo. Erst zogen die Feuilletons ihr das Buch über die Ohren, dann wurde bekannt, dass Schramms Verlag eine „illegale“ Kopie des Buches sperren ließ, die sich über das Programm Dropbox verbreitete.

Weisband will es besser machen

Die Folge: Aufgeheizt von der Bild-Zeitung („Gier-Piratin“), ließen sich Kommentatoren im Netz über das aus, was sie für die Doppelmoral der Piraten halten: Hier das geistige Eigentum kritisieren, Grundlage des teuflischen Urheberrechts, dort abmahnen. Da halfen auch Schramms Beteuerungen nicht mehr, sie wolle das Urheberrecht lediglich reformieren. Bis heute wird Schramm im Netz beschimpft; die übelsten Beleidigungen dokumentiert ein Blogeintrag.

Es mag nun Glück sein oder Pech für ehemalige Piraten-Geschäftsführerin Marina Weisband, dass sie in einiger Zeit selbst ein Buch auf den Markt bringt. Pech, weil sie wohl weiß, dass sie die eigenen Rechte an dem Buch nun nicht mehr so einfach durchsetzen kann. Glück, weil sie aus den Fehlern Schramms lernen konnte.

Weisbands Ausweg: Wie der „Spiegel“ berichtet, bringt Weisband ihr E-Book im März ohne Kopierschutz auf den Markt. Jeder Käufer solle das Recht haben, es im Netz unbeschränkt weiterverbreiten zu dürfen. Klick-mich ohne Grenzen.

Um das bei ihrem Verlag durchzusetzen, hat sie angeblich sogar auf einen Teil ihres Vorschusses verzichtet. „Ich bin überzeugt, dass sich das Buch trotzdem verkaufen wird. Für gute Inhalte wird bezahlt“, sagte Weisband. Wir werden ja sehen.